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Der PDCA-Zyklus – Arbeitsinstrument zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung

Was ist der PDCA-Zyklus?

Der PDCA-Zyklus (Plan–Do–Check–Act), auch als Deming-Kreis bezeichnet, ist ein bewährtes Instrument des Qualitätsmanagements. Mit seiner Hilfe können Prozesse, Dienstleistungen und Organisationsabläufe systematisch und kontinuierlich verbessert werden. Er bildet die Grundlage des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) und findet heute in nahezu allen Bereichen des Qualitätsmanagements Anwendung – so auch in Einrichtungen der Eingliederungshilfe.

Das Grundprinzip ist einfach: Verbesserungen werden geplant, umgesetzt, überprüft und auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse weiterentwickelt. Anschließend beginnt der Zyklus erneut. Dadurch entsteht ein fortlaufender Lernprozess, der die Qualität nachhaltig verbessert.

Die vier Phasen des PDCA-Zyklus sind:

Ausgangspunkt ist die Analyse einer bestehenden Situation oder eines Verbesserungsbedarfs. Es werden Ziele formuliert, Ursachen untersucht und geeignete Maßnahmen geplant. Gleichzeitig werden Verantwortlichkeiten, Zeitrahmen und Erfolgskriterien festgelegt.

Leitfragen:

  • Was soll verbessert werden?
  • Welche Ursachen liegen dem Problem zugrunde?
  • Welche Ziele sollen erreicht werden?
  • Woran erkennen wir den Erfolg?

Die geplanten Maßnahmen werden praktisch umgesetzt. Häufig erfolgt dies zunächst im Rahmen eines Pilotprojekts oder in einem begrenzten Bereich. Die Mitarbeitenden werden informiert, qualifiziert und bei der Umsetzung begleitet.

Beispiele:

  • Einführung neuer Arbeitsabläufe
  • Schulungen der Mitarbeitenden
  • Erprobung neuer Unterstützungsangebote
  • Anpassung von Dokumentationen

Nach der Umsetzung wird geprüft, ob die angestrebten Ziele erreicht wurden. Hierzu werden Rückmeldungen, Beobachtungen und Kennzahlen ausgewertet und mit den geplanten Zielen verglichen.

Leitfragen:

  • Wurden die Ziele erreicht?
  • Welche Maßnahmen waren erfolgreich?
  • Welche Schwierigkeiten sind aufgetreten?
  • Welche Erkenntnisse ergeben sich daraus?

Die gewonnenen Erkenntnisse werden genutzt, um Prozesse dauerhaft zu optimieren. Erfolgreiche Maßnahmen werden als neuer Standard etabliert. Werden die Ziele nicht erreicht, werden die Ursachen analysiert und der Verbesserungsprozess beginnt von Neuem.

Flussdiagramm des PDCA-Zyklus auf Deutsch, das die Schritte „Plan“, „Do“, „Check“ und „Act“ mit entsprechenden Beschreibungen darstellt.

PDCD-Zyklus: Schritte im Überblick

Der PDCA-Zyklus unterstützt Einrichtungen dabei, ihre Arbeit Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Durch die regelmäßige Planung, Umsetzung, Überprüfung und Anpassung von Maßnahmen können Prozesse verbessert, die Qualität der Unterstützungsangebote erhöht und Herausforderungen frühzeitig erkannt und gelöst werden. So trägt der Zyklus zu einer nachhaltigen Qualitätsentwicklung in der Eingliederungshilfe bei.

Kontinuierlicher Verbesserungsprozess durch den PDCA-Zyklus

Der PDCA-Zyklus unterstützt Organisationen dabei, ihre Qualität systematisch und nachhaltig zu verbessern. Er dient insbesondere dazu,

Arbeitsabläufe werden regelmäßig überprüft, um Verbesserungspotenziale zu erkennen und die Qualität der Unterstützungsleistungen kontinuierlich zu verbessern.

Beispiel:
In einer Wohneinrichtung äußern mehrere Bewohnerinnen den Wunsch nach abwechslungsreicheren Freizeitangeboten. Das Team analysiert gemeinsam mit den Bewohnerinnen die bisherigen Angebote und stellt fest, dass viele Aktivitäten nicht den individuellen Interessen entsprechen. Besonders häufig werden kreative Angebote, Ausflüge und gemeinsame Kochaktionen gewünscht.

Auf Grundlage der Analyse werden verbindliche Qualitätsstandards entwickelt oder bestehende Standards angepasst.

Beispiel:

Die Einrichtung legt fest, dass Freizeitangebote künftig gemeinsam mit den Bewohner:innen geplant werden. Hierzu findet einmal im Monat eine Freizeitkonferenz statt, in der Wünsche gesammelt, Prioritäten festgelegt und das Programm gemeinsam gestaltet werden. Die Ergebnisse werden dokumentiert und für alle Mitarbeitenden verbindlich umgesetzt.

Neue Maßnahmen werden erprobt und anschließend hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bewertet.

Beispiel:
Nach einigen Monaten zeigt sich, dass einzelne Bewohnerinnen die Freizeitkonferenz kaum nutzen können. Als Ursache werden sprachliche Barrieren und fehlende Unterstützte Kommunikation erkannt. Daraufhin werden Bildkarten, Symbole, Leichte Sprache und digitale Kommunikationshilfen eingesetzt. Zusätzlich erhalten die Bewohnerinnen die Möglichkeit, ihre Wünsche auch außerhalb der Konferenzen einzubringen. Im Anschluss wird überprüft, ob sich die Beteiligung verbessert hat.

Erfolgreiche Maßnahmen werden dauerhaft in den Arbeitsalltag integriert und bei Bedarf weiterentwickelt.

Beispiel:

Die Auswertung zeigt, dass deutlich mehr Bewohnerinnen ihre Freizeit aktiv mitgestalten und die Zufriedenheit mit den Angeboten gestiegen ist. Deshalb wird die monatliche Freizeitkonferenz als fester Bestandteil des Einrichtungskonzeptes aufgenommen. Gleichzeitig wird vereinbart, das Freizeitprogramm regelmäßig gemeinsam mit den Bewohnerinnen zu evaluieren und an neue Interessen und Bedürfnisse anzupassen.

Der PDCA-Zyklus ist ein Instrument zur kontinuierlichen Verbesserung von Prozessen und Qualitätsstandards. Er wurde ursprünglich für die Optimierung betrieblicher Abläufe entwickelt. Heute findet er auch im Sozialwesen Anwendung, um Unterstützungsleistungen systematisch weiterzuentwickeln und die Lebensqualität von Menschen mit Behinderung nachhaltig zu steigern.

Grundlage des PDCA-Zyklus ist der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP). Nach der Planungsphase (Plan) werden die vorgesehenen Maßnahmen umgesetzt (Do). Anschließend werden die Ergebnisse überprüft und mit den festgelegten Zielen verglichen (Check). Auf dieser Grundlage werden Maßnahmen angepasst und der Verbesserungsprozess erneut durchlaufen (Act). So entsteht ein fortlaufender Lern- und Entwicklungsprozess, der die Qualität der Unterstützungsleistungen und die Erreichung der Organisationsziele nachhaltig fördert.

Diagramm, das die kontinuierliche Qualitätsverbesserung im Zeitverlauf anhand von Zyklen und steigenden internen Standards veranschaulicht.

Einsatz des PDCA-Zyklus zur kontinuierlichen Qualitätsverbesserung

Die Nutzung des PDCA

Ein fiktives Beispiel: Bewegungsangebot im Freien


Ausgangssituation

In einer Wohneinrichtung haben mehrere Bewohnerinnen den Wunsch geäußert, während der Sommermonate mehr Bewegungsangebote im Freien zu erhalten. Die bisherigen Freizeitangebote werden zwar regelmäßig durchgeführt, entsprechen aber nicht mehr den Interessen aller Bewohnerinnen. Besonders häufig werden gemeinsame Spaziergänge, Gartenaktivitäten und leicht zugängliche Bewegungsangebote gewünscht.

Die Einrichtungsleitung und das Team ordnen diesen Wunsch dem AQUA-Qualitätsstandard 5 „Entwicklungsorientierte Unterstützung, Förderung und Umfeldanpassung” zu. Das Ziel besteht darin, die Freizeitangebote stärker an den individuellen Bedürfnissen der Bewohnerinnen auszurichten, ihre Gesundheitsförderung zu unterstützen und gleichzeitig ihre Beteiligung an der Angebotsplanung zu verbessern.

Die Bewohnerinnen wünschen sich regelmäßige Bewegungsangebote im Freien. Das Team begrüßt dieses Anliegen zwar grundsätzlich, sieht jedoch auch verschiedene Herausforderungen. Einige Bewohnerinnen benötigen aufgrund körperlicher oder kognitiver Einschränkungen intensive Unterstützung. Andere Mitarbeitende äußern Bedenken hinsichtlich der Aufsichtspflicht, möglicher Sturzrisiken oder des personellen Aufwandes. Gleichzeitig besteht Einigkeit darüber, dass Bewegung, Gesundheitsförderung und Selbstbestimmung wichtige Bestandteile einer personenzentrierten Unterstützung sind.

Um diese unterschiedlichen Perspektiven gemeinsam zu reflektieren, organisiert die Einrichtung ein Ethik-Café. In diesem diskutieren Bewohnerinnen, Pflegefachkräfte, pädagogische Fachkräfte, Therapeutinnen sowie die Einrichtungsleitung gemeinsam, wie regelmäßige Bewegungsangebote gestaltet werden können, damit möglichst alle Bewohner*innen daran teilnehmen können.

Laut Carola Fromm (2012) gliedert sich das Ethik-Café in vier Phasen.

  1. Phase: Impulse aufnehmen
    Die Moderation eröffnet das Ethik-Café mit der Frage: „Wie können wir regelmäßige Bewegungsangebote im Freien so gestalten, dass möglichst alle Bewohner*innen entsprechend ihrer Fähigkeiten und Wünsche teilnehmen können?”
    Zur Einführung werden Ergebnisse der Bewohnerbefragung vorgestellt. Dadurch erhalten alle Teilnehmenden einen gemeinsamen Überblick über die Wünsche der Bewohner:innen sowie über die bisherigen Erfahrungen mit Bewegungsangeboten.
    Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis für die Ausgangssituation zu entwickeln und die unterschiedlichen Perspektiven sichtbar zu machen.
  2. Phase: Ideen einbringen
    Die Teilnehmenden sammeln Ideen und Erfahrungen. Bewohner:innen berichten, welche Bewegungsangebote ihnen Freude bereiten und welche Hindernisse sie erleben. Mitarbeitende schildern ihre Erfahrungen sowie organisatorische und sicherheitsrelevante Herausforderungen. Gemeinsam werden erste Lösungsansätze entwickelt, beispielsweise kleinere Gruppen, unterschiedliche Bewegungsangebote, barrierefreie Wege oder der Einsatz von Unterstützter Kommunikation.
    Ziel ist es, unterschiedliche Sichtweisen zu verstehen, kreative Lösungsansätze zu entwickeln und gemeinsame Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten.
  3. Phase: Ethisch reflektieren
    Die gesammelten Ideen werden unter ethischen Gesichtspunkten betrachtet. In einer gemeinsamen Diskussion wird erörtert, wie Selbstbestimmung, Teilhabe, Gesundheitsförderung und Sicherheit miteinander in Einklang gebracht werden können. Dabei werden mögliche Zielkonflikte offen benannt und verschiedene Lösungswege abgewogen.
    Ziel ist es, Werte und Zielkonflikte bewusst zu reflektieren und tragfähige Entscheidungen für die weitere Qualitätsentwicklung vorzubereiten.
  4. Phase: Erkenntnisse gewinnen
    Zum Abschluss des Ethik-Cafés werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und gemeinsame Schlussfolgerungen für das weitere Vorgehen gezogen. Die Teilnehmenden verständigen sich darauf, welche Maßnahmen sie umsetzen möchten und welche Voraussetzungen sie dafür schaffen müssen.
    Im vorliegenden Beispiel wird Folgendes beschlossen:
    • regelmäßige Bewegungsangebote im Freien als festen Bestandteil der Tagesstruktur einzuführen,
    • die Angebote gemeinsam mit den Bewohner:innen zu planen,
    • unterschiedliche Bewegungsformen anzubieten, damit alle Bewohner:innen entsprechend ihrer Fähigkeiten teilnehmen können,
    • Unterstützte Kommunikation und barrierefreie Materialien einzusetzen sowie
    • die neuen Angebote nach drei Monaten gemeinsam mit den Bewohner:innen zu evaluieren.

Diese Vereinbarungen bilden die Grundlage für die Plan-Phase des PDCA-Zyklus, in der Ziele, Verantwortlichkeiten und Erfolgskriterien festgelegt werden.

Das Ziel besteht darin, gemeinsame Entscheidungen zu treffen, konkrete Maßnahmen abzuleiten und den Übergang in den Qualitätsentwicklungsprozess vorzubereiten.

Überleitung zum PDCA-Zyklus

Das Ethik-Café dient der partizipativen Vorbereitung des Veränderungsprozesses. Die dort gemeinsam entwickelten Erkenntnisse und Maßnahmen bilden die Grundlage für die Plan-Phase des PDCA-Zyklus. Im weiteren Verlauf werden die vereinbarten Bewegungsangebote umgesetzt (Do), ihre Wirkung überprüft (Check) und auf Grundlage der Evaluation weiterentwickelt (Act).

Im Ethik-Café wurde deutlich, dass sich die Bewohner:innen regelmäßige Bewegungsangebote im Freien wünschen. Gleichzeitig wurden mögliche Herausforderungen benannt: unterschiedliche körperliche Voraussetzungen, variierender Unterstützungsbedarf sowie Fragen der Sicherheit und Organisation.

Daraufhin hat das Team gemeinsam mit den Bewohner*innen einen Maßnahmenplan entwickelt. Ziel ist es, allen Bewohner:innen die Teilnahme an regelmäßigen Bewegungsangeboten entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten zu ermöglichen.

Folgende Maßnahmen wurden vereinbart:

  • Einführung eines wöchentlichen Bewegungsangebots im Freien,
  • gemeinsame Planung der Angebote in der Bewohner:innenversammlung,
  • Bereitstellung unterschiedlicher Bewegungsangebote (z. B. Spaziergänge, Gymnastik im Freien, Ball- und Kooperationsspiele),
  • Einsatz Unterstützter Kommunikation bei der Planung und Durchführung,
  • Festlegung von Verantwortlichkeiten sowie einer Evaluation nach drei Monaten.

Die geplanten Bewegungsangebote werden zunächst über einen Zeitraum von drei Monaten erprobt. Die Bewohner:innen entscheiden gemeinsam über die jeweiligen Aktivitäten. Mitarbeitende begleiten die Angebote und unterstützen die Teilnehmenden entsprechend ihrem individuellen Assistenzbedarf.

Während der Erprobungsphase dokumentieren die Mitarbeitenden unter anderem die Teilnahme, die Rückmeldungen der Bewohner:innen sowie organisatorische Erfahrungen und mögliche Schwierigkeiten.

Nach Ablauf der Erprobungsphase werden die Ergebnisse ausgewertet. Hierzu werden die Bewohner:innen nach ihrer Zufriedenheit befragt und die Erfahrungen der Mitarbeitenden zusammengetragen.

Die Auswertung zeigt, dass deutlich mehr Bewohner:innen an den Freizeitangeboten teilnehmen. Besonders positiv werden die gemeinsame Planung und die größere Auswahl an Bewegungsangeboten bewertet. Gleichzeitig wurde deutlich, dass einige Bewohnerinnen zusätzliche Kommunikationshilfen benötigen und die Gruppengröße bei einzelnen Angeboten reduziert werden sollte.

Auf Grundlage der Evaluation werden die Bewegungsangebote weiterentwickelt. Die Einrichtung beschließt:

  • die regelmäßigen Bewegungsangebote dauerhaft in die Tagesstruktur aufzunehmen,
  • kleinere Gruppen für einzelne Aktivitäten anzubieten,
  • zusätzliche Materialien der Unterstützten Kommunikation einzusetzen,
  • Mitarbeitende im Bereich Bewegungsförderung und Unterstützte Kommunikation fortzubilden sowie
  • die Angebote halbjährlich gemeinsam mit den Bewohner:innen zu evaluieren.

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Überarbeitung des internen Qualitätsstandards „Entwicklungsorientierte Unterstützung, Förderung und Umfeldanpassung“ ein. Gleichzeitig bilden sie den Ausgangspunkt für den nächsten PDCA-Zyklus, in dem die Maßnahmen erneut überprüft und weiterentwickelt werden.

Fieger, J.; Fieger, K. T. (2018): Führung ist erlernbar. Mit Struktur zur erfolgreichen Führungskraft. Wiesbaden: Springer. St. Gallen Business School: Die RADAR-Bewertungslogik.

St. Gallen Business School: Die RADAR-Bewertungslogik.  [Zugriff am 03.11.2024]

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