Raumgestaltung

RAUMGESTALTUNG FÜR (erwachsene) MENSCHEN MIT SCHWERER BEHINDERUNG

von Heike Rahmen

‚Finde einen Weg, die Schönheit notwendig zu machen;

finde einenWeg, das Notwendige schön zu machen.’

(aus: Anne Michaels. Fluchtstücke)




Vorgeschichte

DIE VORGESCHICHTE

Bei der Erprobung der FANTASTO-Spielmaterialien in Einrichtungen für Kinder und Erwachsene mit und ohne Behinderung konnten  wir häufig feststellen, dass dort die Räume – bezogen auf Raumgestalt, Raumstruktur und Raumatmosphäre – oft von sehr schlechter Qualität waren.

Für uns war es dagegen zentral, dass Aspekte wie Schönheit und Harmonie, Attraktivität und Anregungsreichtum auch diese Orte unbedingt mit prägen sollten, gewissermaßen als Fundament für alles was dort im Alltag gelebt wird. Die Nutzer, Betreute und Betreuer, sollten es hier einfach besser haben.

Daraus entstand die Idee, Konzepte zukünftig auch für Räume zu entwickeln. Diese sollten auf drei Säulen beruhen:

  • einer Raumgestalt die gefällt,
  • einer Raumstruktur die klar erkennbare Angebote zeigt,
  • einer Raumatmosphäre die gut tut, also Orte, an denen das Notwendige eine schöne Gestalt


Themenbereiche

DIE THEMENBEREICHE

Die Themen die aus der Praxis an uns herangetragen wurden waren vielfältig, sowohl bezogen auf die jeweils zu gestaltenden Orte als auch die Komplexität der Aufgabe. Die Orte hießen Kindergarten, Frühförderung, Wohnbereich und Werkstatt. Aus Restflächen waren Spielbereiche zu zaubern, für ungenutzte Räume eine spannende Nutzung zu finden, bei Neuplanungen maßgeschneiderte Lebensräume vorzudenken. Ziel war es stets, schöne und sinnvolle Gestalten zu schaffen, den Nutzern ein Mehr an Lebensqualität anzubieten und Ihnen neue Möglichkeiten zu eröffnen.


Wege

DIE WEGE

Um unterschiedlichste Räume zu gestalten mussten wir zunächst verstehen, was hier gebraucht und gewünscht wurde. Im zweiten Schritt war zu schauen, was im Rahmen der architektonischen Voraussetzungen möglich war. Alle nachfolgend gezeigten Raumgestaltungen zeigen den Versuch, die fachlichen Konzepte vor Ort möglichst umfangreich in gebaute Gestalt zu übersetzen und im jeweils gesetzten finanziellen Rahmen auch vollständig zu realisieren.


Gestaltungsformel

DIE GESTALTUNGSFORMEL

Eine gelingende gestalterische Konzeption behandelt Raumgestalt, Raumstruktur und Raumatmosphäre. Eine gelingende Gestaltung erschafft ein vielfältiges und wohltuendes Ganzes das den Nutzern gut tut:

  • Die ‚Raumgestalt‘ ist das Ganze des Raumes – das sind die Elemente von Architektur, Innenarchitektur, Möblierung, Ausstattung und Beleuchtung in ihrer Gesamtwirkung.
  • Eine gute Raumgestalt gefällt, lädt ein und fordert auf zu bleiben.
  • Die ‚Raumstruktur‘ ist die Anordnung der unterschiedlichen Bereiche im Raum bzw. einer Raumfolge. Eine gelungene Raumstruktur ordnet den architektonischen Raum in klar erkennbare Orte und Wege, stellt die Angebote hier an ihre richtige Position.
  • Die ‚Raumatmosphäre‘ entsteht aus der Summe beider – Gestalt und Struktur – zuzüglich einer guten Portion Emotion. Eine gelungene Atmosphäre ist spürbar, tut wohl, ermöglicht und unterstützt.


Elemente

DIE ELEMENTE

Da wo wir frühzeitig an einem Bauvorhaben beteiligt wurden, konnten wir Einfluss auf die Elemente der Architektur nehmen – d.h. die Position von Wänden, Türen und Sanitärelementen, die Art der Bodenbeläge, die Farbigkeit der Wände, die Qualität der Beleuchtung.

Da wo wir spät hinzugezogen wurden, war die gestalterische Arbeit auf Innenausbau, Möblierung und die Ausstattung mit Spielmaterialien beschränkt.

Unsere ‚Bausteine’ auf der Ebene von Innenausbau/Möblierung/Ausstattung waren:

  • ‚kleine Räume‘ – ein kleiner beschützender Raum im großen Zimmer aus Stoff … Baldachine und Zelte
  • Podeste – eine erhöhte Zone im Raum … als definierte Spiel- oder Ruhezone
  • Hochebenen – eine zweite Etage im Zimmer … mit Möglichkeiten zum Klettern und/oder Rutschen
  • raumteilende Elemente – Wände die was leisten … mit Möglichkeiten zum Erleben und Spielen
  • Dinge zum Fühlen – Elemente für die sinnliche Wahrnehmung … Tastwege und Handläufe
  • Dinge zur Anregung – Spielmaterialien aus der ‚Fantasto‘-Serie … Tastdecken, Trockenduschen
  • Dinge zur Bewegung – fest montier oder mobil … Schaukeln und Wippen


Fazit

DAS FAZIT

Es lohnt sich immer über die so sehr wirkmächtige ‚Gestalt’ eines Raumes nachzudenken bzw. sie zeitig vorzudenken. Ein gut und für die Nutzer richtig gestalteter Ort, angereichert mit wohltuenden und stärkenden Qualitäten, ist ein wirksames ‚Werkzeug‘ pädagogischer und therapeutischer Arbeit, eröffnet neue Möglichkeiten des Tuns, erleichtert den gelebten Alltag.

Die nachfolgend gezeigten Beispiele stammen aus den 80-er und 90-er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, und sie zeigen die Anfänge des ‚Nachdenkens über Betreuungsorte‘ auf. Die fachlichen und gestalterischen Konzepte und auch die Fördermaterialien haben sich seither weiterentwickelt. Der Aspekt der Gestaltung, die Idee schöner attraktiver Lebensräume, spielen allerdings nach wie vor keine prägende Rolle in der Planung sozialer Orte. Aber Gestaltung ist zentral für unser Wohlbefinden und ist darum wertvoll, wichtig und eigentlich unentbehrlich!

Beispiele Raumgestaltung











Zelte | kleiner Raum

Zelte | kleiner Raum

  • als geschützter Bereich in einem großen Raum
  • hier in einfacher und in komplexer Formen
  • vom Himmelbett bis zum großen Zelt
  • in Schlafraum und Wohnzimmer, Gruppenraum und Klassenraum






Handläufe & Tastwege

Tastwege & Handläufe

als Spiel- und Gestalltungselemene in einem Flurbereich









Flurbereich

Flurbereich

  • Ein Flurbereich in einer Schule in Neuwied – mit einem Vorher-Bild
  • eine Restfläche im Flur zu einer Spielzone ausgebaut
  • ein ‚kleiner Raum‘ mit Fühl- und Bewegungsangebot















Wohnbereich

Wohnbereich

  • Wohngruppe in einer Behinderteneinrichtung -ein Modellprojekt als Fortbildungsveranstaltung von den Mitarbeitern vor Ort gebaut
  •  der Raum wird in klar erkennbare Bereiche gegliedert
  • mit vielfältigem Angebot für die Bewohner
    • eine Hochebene mit Rutsche und Höhle
    • ein Podest
    • eine geschützte Sitzecke



















Förderbereich

Förderbereich

  • Ein ‚Kleinmontagebereich‘ in einer WfbM – ebenfalls ein Modellprojekt
  • eine Lösung für die Gestaltung einer klassischen Werkstatthalle als Ort für Erwachsene mit schwerster Behinderung:
  • mit einem vorher-Bild und der Entwurfszeichung:
    • aus einer leeren Halle einen strukturierten Raum mit unterschiedlichsten Angeboten gestalten
    • ein raumteilendes Regal mit integriertem Spielangebot
    • ein Gemeinschaftsbereich mit besonderen Tischen für die Rollstuhlfahrer
    • ein kleiner Rückzugbereich im großen Gruppenraum
    • ein Podest mit Zelt im Therapieraum.
















Therapieräume




Therapieräume

  • Hochebene mit Treppe und Rutsche und Ausguck
  • Bällebad
  • Podest/Höhle unter der Treppe
  • verschiedene Elemente aus FANTASTO
  • Podest
  • Zelt
  • kleine Hochebene mit Höhle
  • Schaukel/Wippe
  • Tastdecke
  • Seilsystem zur Mirage von Trockenduschen





Film

© ABM in den Medien (1989): Schöner Wohnen – Ein Designerteam entwirft neue Lebensräume für Schwerstbehindert


Orientierung im Raum


Siehe zum Thema ‚Raumgestaltung auch Orientierung im Raum“ im Orientierungsplan!

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