LiNKED

Ein violetter Buchstabe "M" neben einem segmentierten, hellvioletten Kreis mit einem Kreuzmuster.

Portraits

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Profil der Einrichtung/ des Wohnhauses Klosterwisch am Erlenbusch

Modernes zweistöckiges Haus mit Balkonen, großen Fenstern und umgeben von Bäumen an einem sonnigen Tag.

Wohnhaus Klosterwisch

Das im Rahmen des LINKED-Projekts beteiligte Wohnhaus Klosterwisch ist Teil der Martha Stiftung in Hamburg. Die Martha Stiftung gehört zur Diakonie und setzt sich seit über 175 Jahren für Menschen ein, die Unterstützung brauchen – im Alter, in der Pflege, bei Suchterkrankung oder Behinderung.

Zur Martha Stiftung am Erlenbusch gehören vier Wohneinrichtungen, die das Wohnen für Kinder und Jugendliche und Erwachsene mit (komplexen) Behinderungen ermöglichen. Das Wohnhaus Klosterwisch ist die jüngste Erweiterung am Erlenbusch und wurde 2019 für Erwachsene mit komplexen Behinderungen errichtet und als sogenanntes Teilhabe-Haus konzipiert. Das Wohnhaus Klosterwisch bietet Platz für 16 Menschen mit komplexen Behinderungen, die verteilt auf zwei Stockwerke im Erd- und Obergeschoss leben und eine Rund-um-die-Uhr-Assistenz erhalten.

Grundrisse mit den Bezeichnungen

Grundriss der Wohneinrichtung (nicht detail- und maßstabsgetreu)

Aufbau der Einrichtung

Das Haus ist so aufgebaut, dass sich zwei Bewohner*innen jeweils ein Pflegebad teilen. Die Wohnbereiche sind vollständig barrierefrei. Die Bewohner*innen gestalten ihre Zimmer individuell und auch über die Einrichtung der Gemeinschaftsräume wird gemeinsam entschieden. In beiden Etagen befindet sich eine für die Bewohner*innen zugängliche Küche mit je einem geräumigen Essbereich, der auch als Aufenthaltsraum genutzt wird. In der unteren Etage ist dieser Bereich noch etwas geräumiger und durch verschiedene Sitzgelegenheiten (gemütliche Sessel) erweitert, weshalb sich die Bewohner*innen der oberen Etage auch teilweise unten aufhalten, wenn beispielsweise nach der Arbeit gemeinsam Kaffee getrunken wird. Der Aufenthaltsbereich im Erdgeschoss ist von zwei Seiten begeh- bzw. befahrbar. Dies führt dazu, dass der Bereich häufiger auch nur kurz passiert wird, wenn sich zum Beispiel Bewohner*innen bewegen möchten. Auf diese Weise ereignen sich in diesem Bereich vielfältige Interaktionen – auch im Vorbeigehen. An die obere Etage grenzt eine geräumige Terrasse, die im Sommer vielfältig genutzt werden kann. Zudem verfügt das Haus über ein weitläufiges Grundstück mit Gartenanlagen.

Das Wohnhaus Klosterwisch liegt in Hamburg-Volksdorf, einem grünen und eher ruhigen Stadtteil im Nordosten Hamburgs.  Die Umgebung bietet Freizeitmöglichkeiten, Einkaufsmöglichkeiten und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Die Integration in den Stadtteil wird aktiv gefördert, um den Bewohner*innen Teilhabe und Inklusion zu ermöglichen.

Konzept des Wohnhauses

Das Konzept des Wohnhaus Klosterwisch  stellt die Leitprinzipien Inklusion und Menschenwürde in den Mittelpunkt: Alle Bewohner*innen werden als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft verstanden und Teilhabe gilt als grundlegendes Recht.

Die Arbeit im Wohnhaus Klosterwisch folgt einem ganzheitlichen und personzentrierten Ansatz: Die Bewohner:innen werden im Rahmen der institutionellen Bedingungen in ihrer Individualität wahrgenommen und in ihrer Selbstbestimmung und Teilhabe gestärkt.

Ganzheitliche Pflege und Betreuung werden im Alltag bewusst umgesetzt. Hier wählen die Unterstützenden Methoden wie die Basale Stimulation oder körpernahe, basale Formen der Kommunikation, um die Bedürfnisse der Bewohner*innen feinfühlig wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren. Dabei greifen Pflege, medizinische Versorgung und therapeutische Angebote ineinander.

Die soziale Teilhabe der Bewohner*innen wird durch die Unterstützung der Fachkräfte innerhalb der Wohngruppe, in Beziehungen und durch Aktivitäten im Stadtteil gefördert.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team, regelmäßige Teamsitzungen sowie die enge Einbindung von Angehörigen und gesetzlich Betreuenden stellen sicher, dass die Unterstützung der Bewohner*innen optimal abgestimmt ist.

Teilhabe im Gemeinwesen

Das Wohnhaus Klosterwisch ist eng im Stadtteil verankert. Die Bewohner*innen sind im Stadtteil präsent, willkommen und geschätzt. Die Einrichtung beteiligt sich aktiv im Behindertenforum Walddörfer und bringt die Perspektiven der Bewohner*innen in lokale Prozesse ein.

Ein gewählter Wohnbeirat unterstützt zusätzlich dabei, die Interessen der Bewohner:innen einzubringen – etwa bei Themen wie Barrierefreiheit, Freizeitangeboten oder der Gestaltung des Wohnumfelds.

Tagesstruktur

Der Tagesablauf ist strukturiert, orientiert sich aber an den individuellen Bedürfnissen und gesundheitlichen Voraussetzungen der Bewohner:innen. Neben der alltäglichen Pflege und Versorgung werden auch Angebote wie Musizieren in der Gruppe oder Dekorieren der Räumlichkeiten gemacht. Zudem werden die Bewohner*innen darin unterstützt, ihren individuellen Interessen nachzugehen – ob im Gemeinschaftsraum oder im eigenen Zimmer.

(Beispielhafte) Einblicke im Rahmen des LINKED Projekts

Im Wohnhaus Klosterwisch wurden im Rahmen des LINKED-Projektes an mehreren Tagen einzelne Bewohner*innen in unterschiedlichen Alltagssituationen begleitet. Die Begleitung erstreckte sich über verschiedene Tageszeiten, Räume und unterschiedliche Unterstützer*innen sowie Personenkonstellationen.

So konnten in den alltäglichen Abläufen vielfältige Momente der Teilhabe beobachtet werden, in die im Folgenden mit konkreten Beispielen Einblicke gegeben werden.

Gestaltung freier Zeit und Beschäftigungsmöglichkeiten

Im Wohnhaus Klosterwisch erhalten die Bewohner*innen Raum für Freizeit, Kreativität und gemeinschaftliche Erlebnisse. Ziel ist es, individuelle Interessen aufzugreifen und Teilhabe durch spielerische, kreative und entspannende Angebote zu fördern.

Eine Frau spielt Gitarre, während ein Junge in einem Overall auf dem Boden kniet, ihr gegenüber sitzt und zuhört.Musikangebot

In der Wohneinrichtung findet regelmäßig ein Musikangebot mit einer externen Musiktherapeutin statt. Vor Beginn wird gemeinsam geklärt, welche Bewohner*innen teilnehmen möchten und in welchem Raum das Angebot stattfinden soll.

Grundbedürfnisse: Essen & Ernährung

Im Wohnhaus Klosterwisch werden Situationen rund um die Nahrungsaufnahme bewusst gestaltet. Essen bedeutet nicht nur Versorgung, sondern auch Gemeinschaft und persönliche Vorlieben. Die Bewohner*innen können dabei unterstützt werden, ihre Eigenständigkeit zu leben und individuelle Bedürfnisse einzubringen.

Zwei Personen bereiten an einem Tisch Käsesandwiches zu, mit geschnittenem Brot und Käse auf einem Teller.Abendbrotsituation

Bei der Abendbrotsituation wird Herr Peters individuell unterstützt: Eine Unterstützerin bereitet den Platz vor, stellt Besteck und Brote auf einem Teller bereit und bietet verschiedene Beläge zur Auswahl an. So kann Herr Peters zwischen verschiedenen Wurst- und Käsesorten entscheiden.

Beziehungsgestaltung und Interaktion im Alltag

Im Wohnhaus Klosterwisch entstehen in Alltagssituationen Nähe, Vertrauen und Orientierung. Ob im Vorübergeben, in Gesprächen oder bei kleinen gemeinsamen Aktivitäten – durch Aufmerksamkeit und Zuwendung wird zwischenmenschliche Verbindung im Alltag erfahrbar.

Kontakt zu Mitbewohner:innen

Frau Becker zeigt ein aktives Interesse an ihren Mitbewohner*innen. Sie fragt die Unterstützerin: „Was macht Herr Schulz?“ Daraufhin schlägt die Unterstützerin einen Besuch bei Herrn Schulz vor, Frau Becker willigt ein. Die Unterstützerin begleitet Frau Becker zu seinem Zimmer und kommentiert, dass dieser ein Hörspiel hört. Dadurch ermöglicht sie den Kontakt.

Körperpflege

Die tägliche Körperpflege umfasst Situationen wie Waschen, Rasur oder Frisieren. Neben der hygienischen Versorgung geht es dabei auch um Selbstbestimmung und positive Sinneserfahrungen, die durch Mitgestaltung und einfühlsame Begleitung entstehen können.

Eine Person im Rollstuhl lässt sich in einem gemütlichen Raum von einer anderen Person die Haare stylen.Haare frisieren

Frau Becker wird zum Frisieren ihrer Haare von einer Unterstützerin in ihr Zimmer begleitet. Diese kämmt ihre Haare und ermuntert sie, aus den bereitgelegten Haargummis eins auszuwählen und ihr zu geben. Die Wahl wird kommentiert und mit Zuspruch bestärkt („Oh toll, gute Wahl“).


(Exemplarische) Teilhabemomente und Einblicke in das Unterstützer:innenhandeln

Die folgenden vier Beispiele zeigen einen beispielhaften Einblick, sowohl in die Teilhabemomente, die beobachtet werden konnten, als auch in das Unterstützer*innenhandeln, welches zum Entstehen dieser Momente beigetragen hat.

Einfache Strichzeichnung einer Schubkarre in Braun auf transparentem Hintergrund.
Mit-Wirken 

Fünf rot umrandete Hände, kreisförmig angeordnet, mit nach außen zeigenden Fingern.

Frau Becker wird von der Unterstützerin auf ihr Zimmer begleitet, um die Haare zu frisieren. Dabei kann sie durch Greifen selbstständig einen Haargummi auswählen und der Unterstützerin geben. Am Ende räumt sie die übrigen Haargummis mit Unterstützung in den Korb zurück. So kann Frau Becker ihre Fähigkeiten einbringen, Aufgaben übernehmen und ihre Selbstständigkeit zeigen. Positive Rückmeldungen der Unterstützerin („Oh toll, gute Wahl“) vermitteln ihr Anerkennung und Wertschätzung.


Einfacher roter Umriss einer Person, die einen Arm hebt, mit einer Herzform neben sich auf weißem Hintergrund.

Das Unterstützer*innenhandeln wird deutlich, indem die Unterstützerin die Situation so vorbereitet, dass Frau Becker aktiv beteiligt werden kann. Sie legt die Haargummis auf den Rollstuhltisch, sodass diese für Frau Becker gut sichtbar und erreichbar sind. Beim Einräumen hält die Unterstützerin den Korb bereit, erläutert die Handlungsschritte und rückt die Haargummis bei Bedarf näher heran. Durch die positive verbale Kommentierung werden Frau Beckers Beteiligung und ihre Selbstwirksamkeit gestärkt.

Zwei umrissene Figuren nebeneinander mit einer Herzform in der Mitte, die sie verbindet.
Mit-Erleben

 

Fünf rot umrandete Hände, kreisförmig angeordnet, mit nach außen zeigenden Fingern.Herr Peters, Herr Schulz und Frau Becker nehmen an diesem Nachmittag am Musikangebot teil, das von einer externen Musiktherapeutin durchgeführt wird. Die Bewohner*innen erleben Musik durch Klänge, Rhythmus und gemeinsame Interaktion. Sie hören den Gesang und das Gitarrenspiel und beobachten die Musiktherapeutin. Herr Peters und Herr Schulz spüren durch die Berührung die Vibrationen der Gitarre, während Frau Becker mit einer Rassel spielt und so die Musik unmittelbar erlebt. Auf diese Weise entsteht eine individuell sinnliche Erfahrung, die zugleich als gemeinsamer Moment geteilt wird und ein Gefühl von Verbundenheit schafft.

Einfacher roter Umriss einer Person, die einen Arm hebt, neben einem Herzsymbol auf schwarzem Hintergrund.

Das Unterstützer*innenhandeln zeigt sich darin, dass die Musiktherapeutin alle Bewohner*innen aktiv in das Angebot einbezieht. Sie stellt Blickkontakt her, spricht die Bewohner*innen direkt mit ihren Namen an und ermöglicht individuelle Zugänge: Herr Peters kann die Gitarre anfassen, während sie spielt, und Herr Schulz kann die Vibrationen spüren, indem sie seine Hand zur Gitarre führt. Durch diese Impulse macht die Musiktherapeutin Musik für jede:n auf unterschiedliche Weise erfahrbar und ermöglicht, dass sich jede*r als Teil des gemeinsamen Geschehens erlebt.

Roter Umriss einer Hand, die einen Daumen nach oben zeigt, auf einem transparenten Hintergrund.
Mit-Entscheiden 

Fünf rot umrandete Hände, kreisförmig angeordnet, mit nach außen zeigenden Fingern.

Am Morgen begibt sich Frau Becker auf den Weg, um Herrn Schulz in seinem Zimmer zu besuchen, weil sie wissen wollte, was er macht. Begleitet wird sie von einer Unterstützerin. Frau Becker gestaltet die Begegnung aktiv mit: Zunächst bekundet sie durch die Frage „Was macht Bewohner Herrn Schulz?“ ihr Interesse. Auf Nachfrage entscheidet sie durch Bejahen, Herrn Schulz zu besuchen. Als sie nicht mehr bei ihm bleiben möchte, erfragt die Unterstützerin, wohin Frau Becker nun gehen möchte („Zu wem wollen wir?“, „Wollen wir mal gucken, was Herr Peters macht?“). So kann Frau Becker ihre Wünsche einbringen, Entscheidungen treffen und den Verlauf der Situation mitgestalten.

Einfacher roter Umriss einer Person, die einen Arm hebt, neben einem Herzsymbol auf schwarzem Hintergrund.

Das Unterstützer*innenhandeln zeigt sich darin, dass die Unterstützerin Frau Becker zwischenmenschliche Kontakte ermöglicht und ihr Interesse an ihrem Mitbewohner aufgreift. Sie reagiert auf Frau Beckers Frage nach dem Mitbewohner und greift diese auf. Sie schlägt konkrete Begegnungen vor („Besuchen wir mal Herrn Schulz“) und eröffnet Wahlmöglichkeiten durch offene und geschlossene Fragen. Auf diese Weise schafft sie Gelegenheiten, in denen Frau Becker ihre Wünsche äußern kann und der Ablauf an ihren Interessen orientiert wird.

Ein roter Umriss einer Gedankenblase mit zwei kleineren Kreisen darunter auf einem transparenten Hintergrund.
Mit-gedacht werden 

Fünf rot umrandete Hände, kreisförmig angeordnet, mit nach außen zeigenden Fingern.

Herr Demir befindet sich in der Küche vor dem Waschbecken. Er mag Wasser und wäscht gerne ab, wodurch seine bekannten Vorlieben für Wasseraktivitäten berücksichtigt werden. Dank passender Strukturen, wie einem unterfahrbaren Waschbecken in Rollstuhlhöhe und einer Geschirrschublade in erreichbarer Höhe, kann er selbstständig abwaschen. Seine Ärmel sind hochgekrempelt. So wird Herr Demir mitgedacht und kann seinen Alltag aktiv mitgestalten.

Einfacher roter Umriss einer Person, die einen Arm hebt, neben einem Herzsymbol auf schwarzem Hintergrund.

Das Unterstützer*innenhandeln zeigt sich darin, dass die Unterstützer*innen die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, indem sie Materialien und Strukturen bereitstellen. Sie sorgen dafür, dass Herr Demir Zugang zu Waschbecken, Schublade und Spülutensilien hat und die Tätigkeit sicher ausführen kann. So greifen sie seine Vorliebe für Wasser auf und ermöglichen ihm ein selbstständiges, auf seine Fähigkeiten abgestimmtes Alltagsangebot.

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