
Mit-Wirken

Frau Becker wird von der Unterstützerin auf ihr Zimmer begleitet, um die Haare zu frisieren. Dabei kann sie durch Greifen selbstständig einen Haargummi auswählen und der Unterstützerin geben. Am Ende räumt sie die übrigen Haargummis mit Unterstützung in den Korb zurück. So kann Frau Becker ihre Fähigkeiten einbringen, Aufgaben übernehmen und ihre Selbstständigkeit zeigen. Positive Rückmeldungen der Unterstützerin („Oh toll, gute Wahl“) vermitteln ihr Anerkennung und Wertschätzung.

Das Unterstützer*innenhandeln wird deutlich, indem die Unterstützerin die Situation so vorbereitet, dass Frau Becker aktiv beteiligt werden kann. Sie legt die Haargummis auf den Rollstuhltisch, sodass diese für Frau Becker gut sichtbar und erreichbar sind. Beim Einräumen hält die Unterstützerin den Korb bereit, erläutert die Handlungsschritte und rückt die Haargummis bei Bedarf näher heran. Durch die positive verbale Kommentierung werden Frau Beckers Beteiligung und ihre Selbstwirksamkeit gestärkt.
Mit-Erleben
Herr Peters, Herr Schulz und Frau Becker nehmen an diesem Nachmittag am Musikangebot teil, das von einer externen Musiktherapeutin durchgeführt wird. Die Bewohner*innen erleben Musik durch Klänge, Rhythmus und gemeinsame Interaktion. Sie hören den Gesang und das Gitarrenspiel und beobachten die Musiktherapeutin. Herr Peters und Herr Schulz spüren durch die Berührung die Vibrationen der Gitarre, während Frau Becker mit einer Rassel spielt und so die Musik unmittelbar erlebt. Auf diese Weise entsteht eine individuell sinnliche Erfahrung, die zugleich als gemeinsamer Moment geteilt wird und ein Gefühl von Verbundenheit schafft.

Das Unterstützer*innenhandeln zeigt sich darin, dass die Musiktherapeutin alle Bewohner*innen aktiv in das Angebot einbezieht. Sie stellt Blickkontakt her, spricht die Bewohner*innen direkt mit ihren Namen an und ermöglicht individuelle Zugänge: Herr Peters kann die Gitarre anfassen, während sie spielt, und Herr Schulz kann die Vibrationen spüren, indem sie seine Hand zur Gitarre führt. Durch diese Impulse macht die Musiktherapeutin Musik für jede:n auf unterschiedliche Weise erfahrbar und ermöglicht, dass sich jede*r als Teil des gemeinsamen Geschehens erlebt.

Mit-Entscheiden

Am Morgen begibt sich Frau Becker auf den Weg, um Herrn Schulz in seinem Zimmer zu besuchen, weil sie wissen wollte, was er macht. Begleitet wird sie von einer Unterstützerin. Frau Becker gestaltet die Begegnung aktiv mit: Zunächst bekundet sie durch die Frage „Was macht Bewohner Herrn Schulz?“ ihr Interesse. Auf Nachfrage entscheidet sie durch Bejahen, Herrn Schulz zu besuchen. Als sie nicht mehr bei ihm bleiben möchte, erfragt die Unterstützerin, wohin Frau Becker nun gehen möchte („Zu wem wollen wir?“, „Wollen wir mal gucken, was Herr Peters macht?“). So kann Frau Becker ihre Wünsche einbringen, Entscheidungen treffen und den Verlauf der Situation mitgestalten.

Das Unterstützer*innenhandeln zeigt sich darin, dass die Unterstützerin Frau Becker zwischenmenschliche Kontakte ermöglicht und ihr Interesse an ihrem Mitbewohner aufgreift. Sie reagiert auf Frau Beckers Frage nach dem Mitbewohner und greift diese auf. Sie schlägt konkrete Begegnungen vor („Besuchen wir mal Herrn Schulz“) und eröffnet Wahlmöglichkeiten durch offene und geschlossene Fragen. Auf diese Weise schafft sie Gelegenheiten, in denen Frau Becker ihre Wünsche äußern kann und der Ablauf an ihren Interessen orientiert wird.
Mit-gedacht werden

Herr Demir befindet sich in der Küche vor dem Waschbecken. Er mag Wasser und wäscht gerne ab, wodurch seine bekannten Vorlieben für Wasseraktivitäten berücksichtigt werden. Dank passender Strukturen, wie einem unterfahrbaren Waschbecken in Rollstuhlhöhe und einer Geschirrschublade in erreichbarer Höhe, kann er selbstständig abwaschen. Seine Ärmel sind hochgekrempelt. So wird Herr Demir mitgedacht und kann seinen Alltag aktiv mitgestalten.

Das Unterstützer*innenhandeln zeigt sich darin, dass die Unterstützer*innen die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, indem sie Materialien und Strukturen bereitstellen. Sie sorgen dafür, dass Herr Demir Zugang zu Waschbecken, Schublade und Spülutensilien hat und die Tätigkeit sicher ausführen kann. So greifen sie seine Vorliebe für Wasser auf und ermöglichen ihm ein selbstständiges, auf seine Fähigkeiten abgestimmtes Alltagsangebot.



Musikangebot
Abendbrotsituation
Haare frisieren