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Kachel Einleitung Mt

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Zwei Personen diskutieren an einem Tisch, über dem Bild ist ein PDCA-Zyklusdiagramm (Planen, Ausführen, Prüfen, Handeln) eingeblendet.

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Ein Laptop-Bildschirm voller bunter Haftnotizen und Papiererinnerungen, auf einem Holztisch platziert, daneben liegt ein Smartphone.

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Kachel Standards

PINOProjekt Intensivwohnen Netzwerk Oberbayern

Qualitätsstandards für das institutionalisierte Wohnen und Leben von Menschen
mit geistiger Behinderung und herausfordernden Verhaltensweisen


Projektleitung: Prof. Dr. R. Markowetz

Autor*innen: A. Lang; S. Arndt; M. Wolf; C. Preuß; H. Rosin; M. Wehmeyer

Logo Pino

Einleitung

Kopf Einleitung

Ausgangssituation: So ging es los

H2 Formatiert mit Headline Standard

H2 Formatiert mit Headline Modern

H3 Formatiert mit Headline Standard

Die PINO-Studien hatten das Ziel, ein nachhaltiges und tragfähiges Gesamtkonzept für das Intensivwohnen zu entwickeln, das die Bereiche Arbeit, Freizeit und Wohnen beinhaltet. Dabei sollten sowohl theoretische Grundlagen geschaffen, als auch praxisorientierte Komponenten für Wohneinrichtungenintegriert werden. Diese wurden in der E3QB+MK-Studie verfolgt und durch unterschiedliche Herangehensweisen verwirklicht:

Erstens wurden einige Pilotprojekten von Projekteinrichtungen ausgewählt, deren Erfahrungen durch das PINO-Forschungsteam evaluiert wurden.

Diese Pilotprojekte liefern inspirierende Ideen für die Praxis zur Umsetzung von Kleinprojekten, um die Lebensqualität der Bewohner*innen zu verbessern und / oder die Expertise der Mitarbeiter*innen kontinuierlich zu erweitern. Zweitens ging es darum, die wissenschaftlich erarbeiteten Handlungsempfehlungen in praktische Hilfen umzusetzen, die als Inspiration und Anregung für die praktische Arbeit dienen. Sowohl die Pilotprojekte als auch die praktischen Arbeitshilfen sind auf den folgenden Seiten dargestellt.

Ziel: Das soll der Praxisteil bieten

Zielsetzung für den Praxisteil war die Erstellung von Arbeitshilfen, die den Einrichtungen des Intensivwohnens als Hilfestellung dienen, sich den Qualitätsstandards auf praktische Weise zu nähern. Der Praxisteil soll die Einrichtungen befähigen individuell passende Lösungen, Konzepte und Hilfsmittel für die Alltagspraxis zu finden und (weiter) zu entwickeln.
Dabei bewegt sich der Praxisteil auf einer Metaebene, die Inspirationen geben kann und versucht Blickwinkel zu öffnen. Die Arbeitshilfen stellen also kein fertiges und vollständiges Konzept dar, sondern dienen als Methodenpool und Ideengeber. Ziel ist es, einen gut recherchierten Überblick über Verfahrensweisen und konkret anwendbare Konzepte zu geben, die für das Intensivwohnen genutzt und für individuelle Einzelfälle abgewandelt werden können.

Die eigene Expertise der Einrichtungen und deren Mitarbeiter*innen ist also ein essentiell wichtiger Bestandteil, wenn es darum geht, die eigene Organisation und Einrichtung weiterzuentwickeln: Bedürfnisse, Potentiale und Ressourcen sind sehr unterschiedlich, sodass es kein allgemeingültiges Kochrezept für alle geben kann. Die Kreativität, die Fachexpertise und die persönlichen Erfahrungen in Kombination mit Mut, Anstrengungsbereitschaft, neuen Ideen und Impulsen ebnen den Weg für einen erfolgreichen Entwicklungsprozess.
Deshalb wollen und können wir Ihnen keine fertigen Rezepte an die Hand geben, sondern bieten eine Fülle an Materialien und Konzepten an, mit denen Sie ihren individuellen und auf Ihre jeweiligen Ausgangsbedingungen abgestimmten Entwicklungsprozess gestalten können.

Aufbau: Das steckt im Praxisteil drin

Die folgende Grafik veranschaulicht Ihnen den Aufbau des Praxisteils, die im Folgenden erläutert werden:

Bestandteile Praxis


Bestandteile des Praxisteils

Der Praxisteil umfasst eine Vielfalt verschiedener Materialien, die auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen. Einführend wird das PDCA-Prozessmodell (Plan-Do-Check-Act) vorgestellt, mit Hilfe dessen ein Entwicklungsprozess und Projektvorhaben strukturiert und planvoll umgesetzt werden kann.
Des Weiteren werden vier Pilotprojekte, die von PINO-Partnereinrichtungen innerhalb der Studie umgesetzt wurden, vorgestellt.

Sie dienen PINO als „Good-Practice-Beispiele“. Zur Inspiration, wie solche Projekte umgesetzt werden können, enthalten alle Beispiele ein „kleines Kochrezept“ im Sinne des PDCA-Vorgehens. Ebenso finden sich im Praxisteil standardübergreifende Arbeitshilfen, die für die Gestaltung von Besprechungen oder Reflexionen im Team genutzt werden können. Auch werden zwei Instrumente für Qualitätsmanagement im Bereich Wohnen der Behindertenhilfe vorgestellt.

Kern des Praxisteils bieten allerdings die Arbeitshilfen zu den zwölf Qualitätsstandards: hier finden sich für jeden einzelnen Standard spezifische Materialien, Konzepte und Ideen. Als Einstieg in jeden Standard wird eine Selbsteinschätzung angeboten, die dazu dienen soll herauszufinden in welchen Bereichen des Standards Entwicklungspotentiale oder Stärken liegen.

Mit der anfänglichen Einschätzung über mögliche Entwicklungspotentiale, lässt sich dann herausfinden, an welchen Themen vertieft gearbeitet werden sollte. Wie eingangs beschrieben handelt es sich bei den Materialien um keine fertigen Skripte oder Handlungsanweisungen, sondern um Anregungen und erste Berührungspunkte mit den Themen.

Querverweise

Innerhalb des Praxisteils finden sich immer wieder Querverweise auf andere Standards, da alle Standards eng miteinander verknüpft gedacht werden müssen.

Daher kann es immer wieder hilfreich sein in den anderen Bereichen zu blättern und nach ergänzenden Anregungen zu suchen.

So sind die Querverweise zu erkennen:

Pino 2

Orientierungshilfen

Am oberen Seitenrand finden Sie außerdem stets den folgenden Aufbau:

Pino 3

Anhand des linken Kastens können Sie sich orientieren in welchem Kapitel des Praxisteils Sie sich gerade befinden. Der rechte Kasten bietet eine kurze Übersicht zum Thema oder zur Art des Materials, das Sie gerade vor sich liegen haben.

Anwendung: So kann der Praxisteil genutzt werden

Damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, wie die Fülle an Arbeitshilfen und Konzepten hilfreich verwendet werden kann, hier noch ein paar Hinweise:

Variante 1: strukturiertes Qualitätsmanagement (empfohlen)

Im Sinne eines gezielten und strukturierten Qualitätsmanagements empfiehlt es sich, Verbesserungsprozesse kontinuierlich und mit Hilfe eines konkreten Prozessmodells voranzutreiben. In unserem Praxisteil stellen wir hierfür das PDCA-Werkzeug (Plan-Do-Check-Act) vor (→ S.14). Anhand eines Fallbeispiels können Sie nachvollziehen, welche konkreten Phasen innerhalb eines Verbesserungsprozesses nach dem PDCA-Modell durchlaufen werden und welche Schritte notwendig sind, um Projekte zielführend und zufriedenstellenden umzusetzen. Es werden praktische Tipps und Vorschläge zur Dokumentation gegeben. Des Weiteren finden Sie Hinweise, wie sie die PINO-Qualitätsstandards, Handlungsempfehlungen und Praxismaterialien in den Prozess phasenspezifisch einbinden können. Wichtig ist, dass das Prinzip der Anwendung des PDCA grundsätzlich eines der kontinuierlichen Verbesserung ist und seine Wirkung am besten entfaltet, wenn er fortlaufend angewandt wird.
Bei dem PDCA-Modell handelt es sich lediglich um einen Vorschlag. Natürlich können Sie alle PINO-Materialien und Inhalte auch in ein anderes Qualitätsmanagement-Tool oder Verfahren einbinden, das sie bereits in Ihrer Einrichtung nutzen oder das Ihnen mehr zusagt.


Variante 2: Individuelles Vorgehen

Der Praxisteil schreibt nicht vor, ein Qualitätsmanagement-Tool zu verwenden. Alle Materialien können auch flexibel und nach individuellem Vorgehen genutzt werden, um Verbesserungen im Sinne der PINO-Qualitätsstandards voranzutreiben. Hier empfiehlt es sich jedoch, sich einen guten und detaillierten Überblick zu verschaffen in welchen Bereichen Ihre Einrichtung Entwicklungspotentiale aufweist und woran gearbeitet werden sollte. Hierzu können beispielsweise die PINO-Handlungsempfehlungen und Selbsteinschätzungen herangezogen werden. Die praktischen Arbeitshilfen zu den Qualitätsstandards können dann als Ideensammlung und ergänzende Hilfe genutzt werden.


Auswahl von Qualitätsstandards und Themen

Ganz gleich für welche Umsetzungsvariante Sie sich entscheiden: In jedem Falle Bedarf es am Anfang einer Auswahl der zu bearbeitenden Qualitätsstandards und Themen. Im oben erwähnten Fallbeispiel zur Nutzung des PDCA-Werkzeuges erfolgt diese Auswahl über ein „Ethik-Café“. Das Ethik-Café ist eine Methode, die offen dafür ist, sowohl Gedanken der Mitarbeitenden als auch der Bewohner*innen zu empfangen.


Q-Sort“ -Technik

Hier ist eine kurze Beschreibung des Ablaufes orientiert an Müller & Kals (2004):

  1. Themen auswählen:
    Bestimmen Sie die möglichen Themen oder Optionen. Beispielsweise die 12 PINO-Qualitätsstandards oder aber konkrete Vorhaben wie Renovierungen, neue Aktivitäten für die Freizeitgestaltung, …
  2. Aussagen formulieren:
    Erstellen Sie ggf. kurze Überschriften, die die verschiedenen Themen repräsentieren, wie QS Kontextuelles Verständnis, QS Krisenmanagement & Gewaltschutz, Renovierung des Gemeinschaftsraums oder Einführung von Mal-Kursen.
  3. Teilnehmer sortieren die Aussagen:
    Bitten Sie die beteiligten Personen (Bewohner*innen, Personal, Verwaltung), die Themen nach ihren Präferenzen zu ordnen, z. B. von sehr wichtig bis aktuell eher unwichtig.
  4. Ergebnisse analysieren:
    Analysieren Sie die Sortierung, um gemeinsame Vorlieben und Prioritäten zu erkennen

  5. Interpretation der Ergebnisse:
    Die Ergebnisse bieten Einblicke in die Prioritäten der Gemeinschaft und unterstützen die Entscheidungsfindung bei der Auswahl eines Themas für den Veränderungs-/Verbesserungsprozesses.
Pino 4

exemplarische Verteilung von PINO-Qualitätsstandards mittels Q-Sort-Technik – Grafik in Anlehnung an Müller, F.H. & Kals E. (2004)

Die Karten können mit einem solchen Feld in eine Rangordnung gelegt werden, sodass am Ende eine Art Stimmungslandschaft über die bevorzugten und nicht bevorzugten Themen in der Einrichtung entsteht. Dies kann für die Auswahl zukünftiger Themen helfen.

Das Beispiel enthält 12 Karten/Felder, die Anzahl an Karten/Feldern kann je nach Bedarf angepasst werden.


PINO-Selbsteinschätzungen

Sollten Sie sich für die Bearbeitung eines Qualitätsstandards entschieden haben, oder noch eine Entscheidungshilfe benötigen, können Sie die Selbsteinschätzungs-Checklisten aus dem Praxisteil zu Hilfe nehmen. Diese dienen dazu einen detaillierten Blick auf mögliche Entwicklungsbereiche zu werfen und so Zielsetzungen für den Veränderungs- und Verbesserungsprozess zu finden.
Im Praxisteil finden Sie daher für jeden PINO-Qualitätsstandard eine Checkliste, mit Hilfe derer Sie Ihre Einrichtung in Bezug auf den Qualitätsstandard und die Handlungsempfehlungen einschätzen können. Zielsetzung ist dabei, Stärken zu identifizieren und Entwicklungspotentiale zu entdecken.
Die Checklisten enthalten Aussagen, die Sie auf einer Skala von gar nicht bis sehr bewerten können, je nachdem auf welchem Stand Sie Ihre Einrichtung hier sehen:

Pino 5

Die Einteilung der Skala hilft Ihnen dabei herauszufinden, ob Ihre Einrichtung bezogen auf die jeweiligen Aspekte des Qualitätsstandard eine Stärke oder eher ein Entwicklungspotential aufweist. Entwicklungspotentiale können dann potentielle Themenfelder oder Projektideen für den Prozess der Organisationsentwicklung aufzeigen.

Wichtig
Es handelt sich hierbei nicht um ein Instrument, um Ihrer Einrichtung durch einen externen Maßstab zu bewerten und zur Verantwortung zu ziehen. Es ist als Hilfsinstrument entworfen worden, um Sie im Prozess der Einrichtungsentwicklung zu unterstützen.

Zusammenfassung

Es ist wichtig zu betonen, dass alle Arbeitshilfen (Selbsteinschätzungen, Materialien und Konzepte sowie das PDCA-Modell) sowohl einen flexiblen als auch einen strukturierten Ansatz bieten. Dabei können alle Arbeitshilfen standardübergreifend verbunden und verwendet werden, da die Standards auch nicht starr voneinander getrennt betrachtet und bearbeitet werden können. Sie müssen hier auch keine Reihenfolge einhalten, sondern können je nach Bedarf alle hilfreichen Materialien heranziehen. Denken Sie jedoch daran, dass die Praxismaterialien keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Allgemeingültigkeit erheben. Diese Hilfsmittel sollen Ihnen bei der praktischen Umsetzung helfen, sind jedoch kein starres Regelwerk.

Übersicht: Methoden und Konzepte der einzelnen Qualitätsstandards

Methoden 1

Methoden 1

Methoden 2

Methoden 2

Methoden 3

Methoden 3

Methoden 4

Methoden 4

[1] vgl. Krüger 2022, 53 [2] vgl. Oetting-Roß et al. 2018, 13 [3] vgl. Müller & Kiepke-Ziemes 2023, o.S. [4] vgl. Oetting-Roß et al. 2018, 12f. [5] vgl. DHPV 2021, 3 [6] vgl. Grünwald 2014, 28 [7] vgl. Krüger 2022, 99 [8] vgl. Bruhn 2014, 169 [9] Krüger 2022, 51 [10] vgl. Müller & Kiepke-Ziemes 2023, o.S. [11] vgl. Witt-Loers 2019, 47 [12] vgl. Müller & Kiepke-Ziemes 2023, o.S. [13] vgl. ebd., o.S. [14] vgl. Witt-Loers 2019, 49ff. [15] Schröer 2014, 245 [16] vgl. ebd., 245 [17] vgl. Krüger 2022, 85f. [18] vgl. Krause & Schroeter-Rupieper 2018, 74 [19] vgl. Witt-Loers 2019, 46 [20] vgl. Krüger 2022, 65 [21] vgl. ebd., 65 [22] ebd., 65 [23] ebd., 65 [24] ebd., 65 [25] ebd., 65 [26] ebd., 65 [27] vgl. ebd., 65 [28] ebd., 65 [29] ebd., 65 [30] ebd., 65 [31] ebd., 65 [32] vgl. Diebold 2013, 21f. [33] vgl. Müller & Willmann 2016, 44 [34] ebd., 44 [35] ebd., 44 [36] ebd., 44 [37] ebd., 44 [38] vgl. Förster 2023, 26 [39] ebd., 26 [40] ebd., 26 [41] ebd., 26 [42] ebd., 26 [43] ebd., 27 [44] vgl. Krüger 2022, 65f. [45] vgl. Krause & Schroeter-Rupieper 2018, 23-32 [46] vgl. Förster 2023, 26-30 [47] vgl. Krüger 2022, 65 [48] vgl. Krause & Schroeter-Rupieper 2018, 26 [49] vgl. ebd., 26 [50] Bruhn 2014, 169 [51] vgl. Krüger 2022, 67 [52] vgl. Müller & Willmann 2016, 45 [53] vgl. ebd., 45 [54] vgl. Krause & Schroeter-Rupieper 2018, 25f. [55] vgl. Krüger 2022, 72f. [56] vgl. ebd., 75ff. [57] vgl. Müller & Willmann 2016, 47ff. [58] Krüger 2022, 76 [59] vgl. ebd., 76f. [60] vgl. Müller & Willmann 2016, 50 [61] vgl. Krüger 2022, 75f. [62] vgl. Witt-Loers 2019, 149 [63] vgl. Krüger 2022, 76 [64] vgl. ebd., 77f. [65] Krüger 2022, 78 [66] vgl. Krüger 2022, 78ff. [67] vgl. Krause & Schroeter-Rupieper 2018, 74 [68] ebd., 74 [69] vgl. ebd., 74 [70] vgl. Witt-Loers 2019, 36 [71] vgl. Young et al. 2014, 120ff. [72] vgl. Förster o.J., o.S. [73] vgl. Witt-Loers 2023, 5ff.

Stadelmann, I. (2015). Aromapflege – Praktische Aromatherapie für den Pflegealltag: Ganzheitliche Begleitung für Kranke und Pflegebedürftige. Stadelmann Verlag. 

Wabner, D. & Beier, C. (2011). Aromatherapie: Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis. München: Urban & Fischer Verlag/Elsevier.

Bibliomed-pflege (2019): Aromapflege in den Klinikalltag integrieren. [Zugriff am 25.03.2024]

Weiler, S. (2011): Handbuch für Komplementäre Pflegemaßnahmen in der Palliative Care. [Zugriff am 25.03.2024]

Nüsslein, F. (2017): Alternative Möglichkeiten der Schmerzreduktion – Teil 2 Aromapflegerische Angebote Eine Einführung. In: Behinderte Menschen Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten 40 (2), S. 49- 54.