WEBVTT

00:00:20.706 --> 00:00:21.746
Zu Beginn des 18.

00:00:21.746 --> 00:00:22.726
Jahrhunderts,

00:00:22.726 --> 00:00:25.246
zu Beginn der Aufklärung,

00:00:25.246 --> 00:00:28.426
gab es plötzlich ein neues Menschenbild,

00:00:28.426 --> 00:00:29.686
nämlich das Menschenbild,

00:00:29.686 --> 00:00:32.746
dass der Mensch sich selbst bestimmen soll.

00:00:32.746 --> 00:00:34.686
Und zwar als vernünftiges Wesen,

00:00:34.686 --> 00:00:35.706
qua Vernunft,

00:00:35.706 --> 00:00:37.466
dieses Vermögens der Vernunft,

00:00:37.466 --> 00:00:39.466
kann er sich selbst bestimmen.

00:00:39.466 --> 00:00:41.246
Das bedeutet,

00:00:41.246 --> 00:00:44.706
er ist nicht mehr abhängig vom Stand,

00:00:44.706 --> 00:00:46.946
in dem er hineingeboren wird.

00:00:46.946 --> 00:00:50.286
Er ist nicht mehr alleine nur

00:00:50.434 --> 00:00:53.074
vorausbestimmt durch Gott,

00:00:53.074 --> 00:00:56.494
sondern er kann sein Leben selbst in die Hand nehmen.

00:00:56.494 --> 00:00:59.854
Er hat sogar die Aufgabe im Sinne

00:00:59.854 --> 00:01:03.254
der Aufklärung sich selbst zu bestimmen und

00:01:03.254 --> 00:01:06.114
diese Selbstbestimmung auch unter

00:01:06.114 --> 00:01:09.374
Berücksichtigung des kategorischen Imperativs ins

00:01:09.374 --> 00:01:10.774
Handeln zu überführen.

00:01:10.774 --> 00:01:13.454
Wir haben hier ganz deutlich den

00:01:13.454 --> 00:01:16.274
Bezug der Philosophie von Kant,

00:01:16.274 --> 00:01:18.974
die sehr stark eben

00:01:19.714 --> 00:01:24.814
die Selbstbestimmung auf die Grundlage der Vernunft legt.

00:01:24.814 --> 00:01:27.514
Was ist aber mit Menschen,

00:01:27.514 --> 00:01:29.714
die über Vernunft nicht verfügen?

00:01:29.714 --> 00:01:33.334
Wenn man aus phänomenologischer Sicht

00:01:33.334 --> 00:01:36.734
an diesen Themenzusammenhang herangeht,

00:01:36.734 --> 00:01:39.534
wie es zum Beispiel Markus Dederich auch tut,

00:01:39.814 --> 00:01:45.674
dann wird man ganz besonders darauf

00:01:45.674 --> 00:01:48.394
verwiesen und es wird deutlich gemacht,

00:01:49.090 --> 00:01:55.830
dass das Selbst immer auch schon bestimmt ist dadurch,

00:01:55.830 --> 00:02:00.050
dass wir als Menschen angewiesen sind auf andere Menschen.

00:02:00.050 --> 00:02:02.910
Wir werden immer auch schon bestimmt dadurch,

00:02:02.910 --> 00:02:05.250
dass wir einen Körper haben,

00:02:05.250 --> 00:02:06.410
ein Leib haben.

00:02:06.410 --> 00:02:09.110
Wir können uns also nicht

00:02:09.110 --> 00:02:12.850
alleine auf einen Selbstbestimmungsbegriff

00:02:13.602 --> 00:02:15.662
beziehen oder darauf zurückziehen,

00:02:15.662 --> 00:02:19.862
der von all diesen Abhängigkeiten absieht.

00:02:19.862 --> 00:02:23.842
Das ist die Forderung der phänomenologischen

00:02:23.842 --> 00:02:26.962
Orientierung im Blick auf Selbstbestimmung.

00:02:26.962 --> 00:02:29.862
Sie betonen ganz besonders,

00:02:29.862 --> 00:02:32.402
dass der Mensch eben immer schon

00:02:32.402 --> 00:02:36.322
in einer ganz bestimmten Fremdbestimmung,

00:02:36.322 --> 00:02:39.922
die aber auch notwendig ist,

00:02:39.922 --> 00:02:40.342
steht.

00:02:40.342 --> 00:02:41.882
Dennoch aber

00:02:42.370 --> 00:02:44.830
Selbstbestimmung notwendig ist.

00:02:52.930 --> 00:02:58.090
Um innerhalb unserer Gesellschaft tatsächlich

00:02:58.090 --> 00:03:01.870
Selbstbestimmung realisieren zu können,

00:03:01.870 --> 00:03:04.990
braucht man ganz bestimmte Kompetenzen.

00:03:04.990 --> 00:03:07.350
Und diese Kompetenzen besagen,

00:03:07.350 --> 00:03:11.990
dass man möglichst sein eigenes Leben in

00:03:11.990 --> 00:03:16.410
die Hand nimmt und diese Bastelbiografie,

00:03:16.410 --> 00:03:18.930
also die eigene Biografie bastelt,

00:03:18.930 --> 00:03:21.650
sich selbst

00:03:21.858 --> 00:03:23.558
mehr oder weniger zu dem macht,

00:03:23.558 --> 00:03:26.038
was man wünscht.

00:03:26.038 --> 00:03:29.838
Und von daher mehr oder weniger

00:03:29.838 --> 00:03:33.678
der Gedanke der Selbstbestimmung gar keine

00:03:33.678 --> 00:03:37.398
emanzipatorische Leitidee mehr darstellen kann,

00:03:37.398 --> 00:03:39.718
die den Menschen befreit von Abhängigkeiten,

00:03:39.718 --> 00:03:42.558
sondern im Gegenteil vor

00:03:42.558 --> 00:03:45.238
diesem neoliberalen Hintergrund,

00:03:45.922 --> 00:03:50.402
sind die Menschen eigentlich verpflichtet dazu,

00:03:50.402 --> 00:03:54.722
sich selbstbestimmt in dieser Gesellschaft zu verhalten?

00:03:55.682 --> 00:03:56.962
Das ist eine Gesellschaft,

00:03:56.962 --> 00:03:59.822
die man als Ellbogengesellschaft bezeichnen kann.

00:03:59.822 --> 00:04:02.182
Man muss sich hier durchboxen.

00:04:02.182 --> 00:04:03.662
Und das sind nun natürlich

00:04:03.662 --> 00:04:06.082
wiederum Voraussetzungen und Kompetenzen,

00:04:06.082 --> 00:04:08.502
die vielen Menschen mit Behinderung

00:04:08.502 --> 00:04:10.762
und insbesondere Menschen mit schweren

00:04:10.762 --> 00:04:11.842
und mehrfachen Behinderungen,

00:04:11.842 --> 00:04:14.342
mit komplexen Behinderungen in der

00:04:14.342 --> 00:04:16.182
Regel nicht zur Verfügung stehen.

00:04:17.505 --> 00:04:20.546
sodass eigentlich der Gedanke der

00:04:20.546 --> 00:04:22.966
Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung,

00:04:22.966 --> 00:04:24.186
so sagt es Annemarie Schmidt,

00:04:24.186 --> 00:04:26.806
just in einem Moment kommt,

00:04:26.806 --> 00:04:30.446
wo diese Selbstbestimmung eigentlich eine

00:04:30.446 --> 00:04:32.826
lästige Pflicht geworden ist,

00:04:32.826 --> 00:04:35.626
um mitschwimmen zu können,

00:04:35.626 --> 00:04:39.126
dynamisch mitarbeiten zu können

00:04:39.126 --> 00:04:41.506
in diesem gesellschaftlichen Kontext.

00:04:41.506 --> 00:04:43.486
Und das hat nichts mehr aus

00:04:43.486 --> 00:04:45.986
dieser Sicht eigentlich mit einer

00:04:46.914 --> 00:04:48.754
emanzipatorischen Idee zu tun.

00:04:56.674 --> 00:04:58.194
Wir müssen sozusagen,

00:04:58.194 --> 00:05:00.654
wenn wir uns mit philosophischen

00:05:00.654 --> 00:05:03.674
Begrifflichkeiten oder Kategorien beschäftigen,

00:05:03.674 --> 00:05:05.534
auch immer fragen,

00:05:05.534 --> 00:05:07.934
wie verhält es sich mit zum

00:05:07.934 --> 00:05:10.634
Beispiel der Selbstbestimmung im Blick auf

00:05:10.634 --> 00:05:14.674
die Entwicklung des Selbstes einer Person.

00:05:14.674 --> 00:05:18.714
Und wie kann sich diese Person selbst bestimmen?

00:05:18.714 --> 00:05:19.874
Sie muss ja erst,

00:05:19.874 --> 00:05:21.734
um sich selbst bestimmen zu können,

00:05:21.734 --> 00:05:24.474
so etwas wie eine Vorstellung von sich haben.

00:05:24.656 --> 00:05:26.576
Es gibt Entwicklungskonzepte,

00:05:26.576 --> 00:05:27.816
die davon ausgehen,

00:05:27.816 --> 00:05:31.216
dass am Anfang der menschlichen Entwicklung

00:05:31.216 --> 00:05:35.036
psychisch gesehen auf einer ganz basalen,

00:05:35.036 --> 00:05:38.896
fundamentalen Ebene der neue Mensch,

00:05:38.896 --> 00:05:41.796
der Säugling nach der Geburt,

00:05:42.402 --> 00:05:44.822
sich noch nicht als ein eigenes,

00:05:44.822 --> 00:05:48.362
abgegrenztes Lebewesen empfindet,

00:05:48.362 --> 00:05:51.062
sondern sehr stark im Kontext,

00:05:51.062 --> 00:05:54.782
im Zusammenhang mit der allernächsten Bezugsperson,

00:05:54.782 --> 00:05:56.102
in der Regel der Mutter,

00:05:56.102 --> 00:05:56.602
steht.

00:05:56.602 --> 00:05:58.862
Und wir haben hier eigentlich

00:05:58.862 --> 00:06:03.842
im Kern den Grundgedanken schon,

00:06:03.842 --> 00:06:04.542
wie

00:06:05.026 --> 00:06:08.566
wie ein Selbst sich entwickeln kann,

00:06:08.566 --> 00:06:09.346
vorliegen.

00:06:09.346 --> 00:06:11.386
Es entwickelt sich aus

00:06:11.386 --> 00:06:14.426
dem dyadischen Kontext Mutter-Kind,

00:06:14.426 --> 00:06:18.346
aus einem sehr dichten und engen

00:06:18.346 --> 00:06:22.026
Kommunikations- und Interaktionszusammenhang nach

00:06:22.026 --> 00:06:26.146
und nach das Selbst des Kindes heraus,

00:06:26.146 --> 00:06:28.546
sodass das Kind nach und nach

00:06:28.546 --> 00:06:31.266
sich als ein abgegrenztes Selbst gegenüber

00:06:31.266 --> 00:06:34.286
anderen Selbsten begreifen kann.

00:06:35.106 --> 00:06:38.026
Um sich selbst bestimmen zu können,

00:06:38.026 --> 00:06:40.146
ist diese erste,

00:06:40.146 --> 00:06:42.846
man könnte sagen,

00:06:42.846 --> 00:06:45.366
Unterscheidung oder Differenzierung zwischen

00:06:45.366 --> 00:06:49.006
sich selbst und anderen eigentlich unverzichtbar.

00:06:52.130 --> 00:06:52.950
schwerer,

00:06:52.950 --> 00:06:54.990
mehrfacher Behinderung mit komplexen

00:06:54.990 --> 00:06:57.730
Behinderungen im Erwachsenenalter ist

00:06:57.730 --> 00:07:01.750
möglicherweise oftmals auch aufgrund der

00:07:01.750 --> 00:07:07.210
Biografie nicht immer diese Deutlichkeit

00:07:07.210 --> 00:07:09.170
innerhalb der Abgrenzung oder die

00:07:09.170 --> 00:07:13.550
Ausdifferenzierung dieses Zusammenhangs

00:07:13.550 --> 00:07:14.630
vorauszusetzen.

00:07:14.630 --> 00:07:16.070
Es geht darum,

00:07:16.070 --> 00:07:19.170
dass wir in der

00:07:20.450 --> 00:07:21.170
erzieherischen,

00:07:21.170 --> 00:07:27.250
pädagogischen Zusammenhängen,

00:07:27.250 --> 00:07:32.530
dass wir da dem anderen Menschen immer auch so begegnen,

00:07:32.530 --> 00:07:35.330
als hätte er schon dieses Selbst.

00:07:35.330 --> 00:07:39.550
Ich unterstelle sozusagen dem anderen,

00:07:39.550 --> 00:07:42.210
er ist selbst.

00:07:42.210 --> 00:07:44.890
So wird es jede Mutter mit ihrem Kind

00:07:44.890 --> 00:07:48.110
tun oder jede Bezugsperson mit dem Kind tun.

00:07:48.674 --> 00:07:51.394
Das Kind wird angesprochen

00:07:51.394 --> 00:07:53.934
in den Kommunikationszusammenhang,

00:07:53.934 --> 00:07:56.534
sprachlichen Kommunikationszusammenhang,

00:07:56.534 --> 00:07:59.434
mit einbezogen.

00:07:59.434 --> 00:08:05.834
Und es wird angesprochen und gesehen als eine Person,

00:08:05.834 --> 00:08:07.994
als ein Subjekt,

00:08:07.994 --> 00:08:10.134
könnte man schon fast sagen.

00:08:10.134 --> 00:08:12.734
Aber ich sage in diesem Zusammenhang jetzt lieber Person.

00:08:12.734 --> 00:08:15.314
Und diese,

00:08:15.314 --> 00:08:17.074
man könnte sagen Person,

00:08:17.826 --> 00:08:25.026
Die Imaginierung des Selbstes ist

00:08:25.026 --> 00:08:29.686
ein wesentlicher pädagogischer Ansatz,

00:08:29.686 --> 00:08:33.285
auf dem nach all

00:08:33.922 --> 00:08:37.482
den traditionellen pädagogischen Konzepten,

00:08:37.482 --> 00:08:40.462
die wir kennen und die uns zur Verfügung stehen,

00:08:40.462 --> 00:08:43.741
die eigentlich alle in dieselbe Richtung gehen und sagen,

00:08:43.741 --> 00:08:44.042
ja,

00:08:44.042 --> 00:08:45.802
das ist der Ansatz,

00:08:45.802 --> 00:08:48.942
um eben tatsächlich so etwas wie Bildungsprozesse,

00:08:48.942 --> 00:08:52.342
Bildung des Selbstes in Gang setzen zu können.

00:09:00.386 --> 00:09:00.646
Ja,

00:09:00.646 --> 00:09:04.346
wie lässt sich dieses Erkennen

00:09:04.346 --> 00:09:08.846
von Selbstbestimmung beim Anderen realisieren?

00:09:10.146 --> 00:09:14.106
Auch hier muss man sagen,

00:09:14.106 --> 00:09:16.466
gibt es keine

00:09:20.034 --> 00:09:21.114
Technik,

00:09:21.114 --> 00:09:24.594
die man anwenden kann und die dann

00:09:24.594 --> 00:09:32.894
mir tatsächlich das Selbst des Anderen eröffnet,

00:09:32.894 --> 00:09:35.934
in einem bestimmten

00:09:36.834 --> 00:09:39.134
Entwicklungszusammenhang zum Beispiel eröffnet.

00:09:39.134 --> 00:09:39.634
Nein,

00:09:39.634 --> 00:09:42.134
ich muss also ganz individuell

00:09:42.134 --> 00:09:44.634
immer von der jeweiligen Situation,

00:09:44.634 --> 00:09:46.654
vom jeweiligen Menschen ausgehen.

00:09:46.654 --> 00:09:48.234
Das ist natürlich unabdingbar.

00:09:48.234 --> 00:09:53.254
Es ist ein ganz individuelles Arbeiten hier notwendig.

00:09:53.254 --> 00:09:56.574
Aber wie komme ich jetzt gerade weiter,

00:09:56.574 --> 00:09:59.374
wenn es um innerpsychische Wahrnehmung geht?

00:09:59.374 --> 00:10:02.534
Ich habe im

00:10:02.850 --> 00:10:05.230
Bereich der geistig behinderten Pädagogik in

00:10:05.230 --> 00:10:10.490
diesem Zusammenhang eigentlich immer sehr gerne

00:10:10.490 --> 00:10:15.130
verwiesen auf die Arbeiten von Dietmuth Niedecken,

00:10:15.130 --> 00:10:19.150
die aus einer psychodynamischen,

00:10:19.150 --> 00:10:20.410
tiefenpsychologischen,

00:10:20.410 --> 00:10:24.870
psychoanalytischen Sicht herangegangen ist und

00:10:25.698 --> 00:10:27.178
deutlich gemacht hat,

00:10:27.178 --> 00:10:30.818
wie gerade durch ein

00:10:30.818 --> 00:10:35.178
Reflektieren des mitarbeitenden Menschen,

00:10:35.178 --> 00:10:39.598
wie er eigentlich innerlich auf

00:10:40.162 --> 00:10:41.642
den anderen Menschen,

00:10:41.642 --> 00:10:43.982
auf den Menschen mit Behinderung reagiert,

00:10:43.982 --> 00:10:48.022
dass durch diese Auseinandersetzung sehr

00:10:48.022 --> 00:10:52.702
viel an Zugangsmöglichkeit zum Selbst

00:10:52.702 --> 00:10:55.962
des anderen erarbeitet werden kann.

00:10:55.962 --> 00:10:59.082
Das Wichtigste,

00:10:59.082 --> 00:11:03.862
um eben das Selbst im Anderen erkennen zu können,

00:11:03.862 --> 00:11:04.322
ist,

00:11:04.322 --> 00:11:09.142
dass die Mitarbeitenden ihr eigenes Selbst sehen.

00:11:10.114 --> 00:11:11.734
reflektieren konnten,

00:11:11.734 --> 00:11:13.274
die Möglichkeit dazu hatten,

00:11:13.274 --> 00:11:16.034
sich damit auseinanderzusetzen und nicht

00:11:16.034 --> 00:11:17.654
nur das Selbst auch.

00:11:18.594 --> 00:11:20.134
eben erfahren können,

00:11:20.134 --> 00:11:23.094
sondern Selbstbestimmung auch in

00:11:23.094 --> 00:11:25.574
ihrem Arbeitskontext erfahren.

00:11:25.574 --> 00:11:26.834
Das bedeutet,

00:11:26.834 --> 00:11:30.754
dass die institutionellen Gegebenheiten auch

00:11:30.754 --> 00:11:32.634
so ausgerichtet sein müssen,

00:11:32.634 --> 00:11:35.954
dass die Selbstbestimmung von Mitarbeitern

00:11:35.954 --> 00:11:37.534
im Sinne von Mitbestimmung,

00:11:37.534 --> 00:11:38.574
Selbstbestimmung,

00:11:38.574 --> 00:11:40.374
aber Solidaritätsfähigkeit,

00:11:40.374 --> 00:11:41.434
wenn wir diese berühmten

00:11:41.434 --> 00:11:44.054
drei klavkischen Zielsetzungen nehmen,

00:11:44.054 --> 00:11:46.754
mit eben im Spiel sind.

00:11:54.946 --> 00:11:59.786
Was Sie mit dieser Frau machen,

00:11:59.786 --> 00:12:01.486
ist ja,

00:12:01.486 --> 00:12:04.866
dass Sie ihr Alternativen eröffnen.

00:12:04.866 --> 00:12:13.026
Und das ist ein wichtiger erster Schritt,

00:12:13.026 --> 00:12:17.626
um deutlich machen zu können,

00:12:17.626 --> 00:12:19.326
dass das Selbst

00:12:20.706 --> 00:12:23.146
nicht selbstverständlich nur auf

00:12:23.146 --> 00:12:25.206
eine Sache angewiesen ist,

00:12:25.206 --> 00:12:27.086
sondern dass das Selbst sich

00:12:27.086 --> 00:12:29.206
eigentlich auch ausbilden kann,

00:12:29.206 --> 00:12:31.026
wenn eine grundlegende Vorstellung,

00:12:31.026 --> 00:12:33.106
Selbstvorstellung vom Selbst da ist,

00:12:33.106 --> 00:12:35.606
dass es sich entwickeln kann,

00:12:35.606 --> 00:12:36.926
weiterentwickeln kann,

00:12:36.926 --> 00:12:40.866
wenn Alternativen eröffnet werden in der Welt.

00:12:40.866 --> 00:12:42.446
Alternativen,

00:12:42.446 --> 00:12:42.726
die,

00:12:42.726 --> 00:12:44.926
das ist in diesem Fall natürlich auch

00:12:44.926 --> 00:12:46.726
ganz besonders auf der Hand liegend,

00:12:46.726 --> 00:12:48.306
die Bedürfnisse

00:12:48.834 --> 00:12:49.714
betreffen,

00:12:49.714 --> 00:12:50.754
die Bedürfnisse,

00:12:50.754 --> 00:12:53.294
die Bedürfnislage des einzelnen Menschen.

00:12:53.294 --> 00:12:57.554
So gewinne ich einen Zugang möglicherweise

00:12:57.554 --> 00:12:59.654
zu dem Selbst des Anderen.

00:12:59.654 --> 00:13:04.354
Ob mehr Selbstbestimmung dadurch möglich wird,

00:13:04.354 --> 00:13:06.174
wenn ich diese Alternative stelle,

00:13:06.174 --> 00:13:08.994
diese Frage hängt davon ab,

00:13:08.994 --> 00:13:13.474
inwieweit dieser betreffende Mensch tatsächlich

00:13:13.474 --> 00:13:16.714
eine Vorstellung von sich selbst

00:13:16.714 --> 00:13:17.934
schon entwickelt hat.

00:13:19.714 --> 00:13:22.234
Wenn er diese bereits entwickelt hat,

00:13:22.234 --> 00:13:27.034
dann wird er aufbauend darauf weiterkommen.

00:13:27.034 --> 00:13:30.934
Es ist aber nichts weiter als ein erster Schritt,

00:13:30.934 --> 00:13:34.014
dieses Eröffnen von Alternativen.

00:13:34.014 --> 00:13:35.334
Es geht weiter darum,

00:13:35.334 --> 00:13:37.574
dass eben diese Alternativen im

00:13:37.574 --> 00:13:41.874
Interaktionszusammenhang auch immer wieder erneut

00:13:41.874 --> 00:13:42.714
eröffnet werden,

00:13:42.714 --> 00:13:43.934
dass Welt eröffnet.

00:13:44.194 --> 00:13:47.674
in ihrer Reichhaltigkeit auch auf diese

00:13:47.674 --> 00:13:50.174
Art und Weise zugänglich gemacht wird,

00:13:50.174 --> 00:13:54.174
dass also die Möglichkeit besteht,

00:13:54.174 --> 00:14:00.854
dass der Einzelne mit seinem Selbst hier einen Weg findet,

00:14:00.854 --> 00:14:08.314
um seine Sicht von Welt erweitern zu können.

00:14:09.026 --> 00:14:12.826
Also ich sehe eine Gefahr

00:14:12.826 --> 00:14:16.066
im pädagogischen Diskussionszusammenhang darin,

00:14:16.066 --> 00:14:19.266
dass Selbstbestimmung verkürzt wird auf

00:14:19.266 --> 00:14:21.846
die Selbstkundgabe von Bedürfnissen.

00:14:22.594 --> 00:14:25.474
Und dass eben das mehr oder

00:14:25.474 --> 00:14:28.834
weniger die Selbstverwirklichung betreffen würde,

00:14:28.834 --> 00:14:32.734
währenddem eine Selbstbestimmung tatsächlich

00:14:32.734 --> 00:14:35.174
auch das Moment des Bestimmens in

00:14:35.174 --> 00:14:39.294
Rücksicht auf andere mit impliziert für mich.