Persönliche Zukunftsplanung

KONKRETISIERUNG  ·  Persönliche Zukunftsplanung

 

SACHASPEKTE UND POTENZIAL

Bei der persönlichen Zukunftsplanung handelt es sich um einen Ansatz, bei dem eine Person gemeinsam mit Unterstützer_innen über ihre Zukunft nachdenkt, sich Ziele setzt und beginnen kann, diese, gemeinsam mit anderen, umzusetzen.

Anlass für eine persönliche Zukunftsplanung können sowohl bevorstehende Übergänge (z. B. Wechsel der Gruppe, Veränderung der Arbeitssituation durch Eintritt in das Rentenalter) als auch der individuelle Wunsch nach einer Veränderung sein, den der Beschäftigte geäußert hat oder der von seinen Bezugspersonen beobachtet wurde.

Kernziel einer persönlichen Zukunftsplanung ist immer die Verbesserung der Lebensqualität der planenden Person. Sie fragt nach dem Lebensentwurf und der dafür notwendigen Unterstützung. Sie kann also nicht über den Kopf eines anderen hinweg beschlossen werden und grenzt sich damit ab von Förder- und Hilfeplanungen, die sonst an Arbeits- und Bildungsorten erstellt werden (müssen). Dennoch können auch Mitarbeiter_innen an Arbeits- und Bildungsorten eine persönliche Zukunftsplanung anstoßen. Wenn sie beispielsweise beobachten, dass ein Beschäftigter mit seiner Arbeit unzufrieden erscheint oder am Arbeits- und Bildungsort von Problemen in anderen Bereichen des Lebens berichtet wird, kann es hilfreich sein, sich mit allen Beteiligten gemeinsam anzusehen, was sich zukünftig an der Lebenssituation des Beschäftigten ändern könnte, damit er mit seinem eigenen Leben wieder zufriedener sein kann.

Bei Menschen mit schwerer Behinderung, denen es schwer fällt, Wünsche für die Zukunft zu entwickeln und auszudrücken, kommt dem Unterstützer_innenkreis eine besondere Bedeutung zu. Dieser besteht aus Personen, die der planenden Person sehr nahe stehen und ihr bei der Umsetzung ihrer Ziele zur Seite stehen möchten. Das können neben Mitarbeiter_innen und Beschäftigten des Arbeits- und Bildungsortes auch Freund_innen, Verwandte oder Mitbewohner_innen sein. Bei der persönlichen Zukunftsplanung für Menschen mit schwerer Behinderung bringen sie ihre Sicht auf die Persönlichkeit und die aktuelle Lebenssituation des planenden Beschäftigten mit ein und entwickeln daraus im gemeinsamen Gespräch erste Ideen davon, wie die Zukunft des Beschäftigten aussehen könnte. Gleichzeitig überlegen die Unterstützer_innen, wie sie dabei helfen können, die Pläne in die Tat umzusetzen.

Die Umsetzung einer persönlichen Zukunftsplanung benötigt Zeit. Daher kann es ratsam sein, mehrere Treffen zu vereinbaren.

Folgend wird ein möglicher Ablauf für eine persönliche Zukunftsplanung vorgestellt, hierbei wird sich am Konzept MAPS (Making Action Plans) orientiert.

IMPULSFRAGEN
  • In welchen Bereichen besteht eine Unzufriedenheit?
  • Was am Verhalten des Beschäftigten weist auf die Unzufriedenheit hin?
  • Was soll sich im Vergleich zur momentanen Situation ändern?
  • Wer soll zum Unterstützer_innenkreis gehören?
  • Wie können wir etwas über die Wünsche der Person herausfinden?
DIFFERENZIERUNG
  • Ergebnisse der Treffen groß und klar strukturiert festhalten
  • Ergebnisse mit Hilfe von z. B. Anybook Readern zugänglich machen
  • die Treffen an einem möglichst störungsfreien Ort abhalten
  • Fotos und Piktogramme nutzen, um das Verstehen des Besprochenen zu unterstützen

HANDLUNGSLEITENDE PRINZIPIEN
  • Präferenzen des Beschäftigten, die aus dem Alltag bekannt sind, einbeziehen
  • Offenheit im Prozess bewahren und nicht die Vorlieben des Unterstützer_innenkreises auf den Beschäftigten projizieren
  • unterschiedliche Lebensentwürfe zulassen
  • Ablösung vom Elternhaus unterstützen (Doppelrolle der Eltern mitreflektieren. Die planende Person soll sich von ihnen lösen und gleichzeitig sind es die Eltern, die dies ermöglichen müssen)
  • gleichberechtigte Gesprächsatmosphäre herstellen
  • eine ruhige Gesprächsatmosphäre herstellen
  • Abbruch der Kommunikation akzeptieren
  • darauf achtgeben, dass die planende Person Mittelpunkt des Gesprächs bleibt und nicht der Unterstützer_innenkreis über den Kopf dieser Person hinweg spricht
  • Auch mit vermeintlich unrealistischen Wünschen umgehen (die dahinterstehenden übergeordneten Wünsche ergründen)
  • Pausen einplanen
  • den Prozess mit dokumentieren
  • Aufgaben für die planende Person finden, die sie in die Gestaltung ihrer Zukunft einbringen kann und sie so mit in die Verantwortung holen
THEMENBEZOGENES WORTFELD
  • die Familie
  • die Freunde
  • die Partnerin
  • der Partner
  • die Liebe
  • bald
  • zukünftig
  • schön
  • blöd
  • Ich mag.
  • Ich mag gar nicht.
  • Ich wünsche mir …
BEISPIELPLANUNG

Zunächst sollte der Anlass für die persönliche Zukunftsplanung festgelegt werden (z. B. bevorstehende Übergänge, Unzufriedenheit).

Gemeinsam mit der planenden Person soll dann festgelegt werden, wer zum Unterstützer_innenkreis gehören soll. Hierzu können alle Menschen zählen, die Bedeutung für die Person haben unabhängig davon, ob sie unmittelbar beteiligt sind am identifizierten Problem (z. B. können auch Wohnheimmitarbeiter zu Unterstützer_innen in Fragen der Arbeitssituation werden). Die ausgewählten Personen werden zum ersten Treffen eingeladen und in der Einladung über das Vorhaben informiert. Es können bereits in der Einladung konkrete Themen formuliert werden, die im Fokus der Zukunftsplanung stehen sollen.

Ein_e Moderator_in wird gesucht. Dies sollte eine Person sein, die nicht gleichzeitig noch als Unterstützer_in an der persönlichen Zukunftsplanung teilnimmt.

Der Raum, in dem die persönliche Zukunftsplanung stattfinden soll, wird hergerichtet. Hierbei wird auf eine gemütliche Atmosphäre geachtet. Die planende Person entscheidet mit, ob beispielsweise persönliche Fotos im Raum aufgehängt werden sollen und Snacks und Getränke bereitgestellt werden.

Der_die Moderator_in übernimmt die Leitung der persönlichen Zukunftsplanung. Sie kennt die einzelnen Schritte, moderiert das Gespräch und dokumentiert die Ergebnisse. Bereits zu Beginn des Treffens sollte festgelegt werden, wie lange das Treffen dauert und wann das nächste Treffen stattfinden soll.

Die persönliche Zukunftsplanung nach dem MAPS-Prinzip orientiert sich an den folgenden Schritten:

  1. Vorstellung
  • die anwesenden Personen stellen sich kurz vor oder werden von der planenden Person vorgestellt. Die Verbindung zur planenden Person wird kurz dargestellt

2. Geschichte

  • Das bisherige Leben der Person wird kurz betrachtet. Hierbei wird der Fokus darauf gelegt, was im Leben der Person wichtig ist und war und welches Thema gerade bearbeitet werden soll.

3. Traum

  • Die planende Person beantwortet die Frage, was bezogen auf das Thema ihrer Zukunftsplanung ihr Wunsch ist. Kann die planende Person diesen nicht explizit äußern, tauscht sich der Unterstüter_innenkreis unter strenger Beachtung der Vorlieben und Abneigungen der Person über Wünsche aus, die sie für die Person haben.

4. Albtraum

  • Kurz wird besprochen, was auf keinen Fall passieren sollte.

5. Die Person

  • Eigenschaften der planenden Person werden herausgearbeitet. Hierbei stellt der Unterstützer_innenkreis dar, wie er die Person sieht, was sie ausmacht und ihnen bedeutet.

6. Stärken

  • Fähigkeiten, Stärken, Talente und Vorlieben der Person werden gesammelt.

7. Bedürfnisse

  • Bedarfe der Person werden gesammelt, um den Traum zu erreichen.

8. Aktionsplan

  • Gemeinsam mit dem Unterstützer_innenkreis wird ein Aktionsplan ausgearbeitet. Hierbei werden erste Schritte definiert und Zuständigkeiten verteilt. Am Ende sollte jedem im Unterstützer_innenkreis klar sein, welche Aufgabe ihr bzw. ihm im Prozess zukommt.

Die einzelnen Schritte und ihre Ergebnisse werden von dem Moderator bzw. der Moderatorin festgehalten. Ggf. kann es sich anbieten, einen persönlichen Zukunftsplaner anzulegen, in dem der Prozess und die Arbeitsergebnisse notiert werden.

Die einzelnen Schritte können entweder in einem Durchlauf oder verteilt auf mehrere Treffen bearbeitet werden.

Nachdem die Zukunftsplanung abgeschlossen ist, wird damit begonnen, die geschmiedeten Pläne umzusetzen. Es bietet sich an, dass die Gruppe in größeren Abständen wieder zusammenkommt, um die Ergebnisse zu reflektieren und ggf. anzupassen.