Feste feiern

PROFIL

In einer kleinen Runde zusammen sein, essen und trinken, tanzen, sich in entspannter Atmosphäre begegnen und unterhalten – gemeinsam eine gute Zeit verbringen.

Die Vielfalt der Feste erleben

Auch wenn Feste vor allem im privaten Umfeld bzw. in der Freizeit begangen werden, so gibt es doch auch an Arbeits- und Bildungsorten immer wieder Anlässe zum Feiern – die großen Feste im Jahresverlauf, besondere Feierlichkeiten einzelner Personen oder der Einrichtung.

Wie gefeiert wird, ist zumeist stark durch Herkunft und Kindheitserinnerungen der beteiligten Personen geprägt. Gerade die wiederkehrenden Feste im Jahresverlauf sind oft an bestimmte Traditionen, Rituale und Bräuche gebunden. Es lohnt sich, diese an Arbeits- und Bildungsorten aufzugreifen, um den Beschäftigten ein Wiedererkennen der Feste und einen emotionalen Bezug zu ihnen zu ermöglichen. Außerdem ist es aber auch sinnvoll, gemeinsam neue Traditionen zu entwickeln, um persönliche Vorlieben in die Ausgestaltung von Festen und Feiern einfließen zu lassen. Dabei ist zu beachten, dass möglicherweise nicht alle Feste gleichermaßen von den Beschäftigten begangen werden bzw. bestimmte (religiöse) Feste für Einzelne eine größere Rolle spielen → Interkulturelle Bildung.

Sich als Teil der Gemeinschaft erleben

Feste und Feiern bieten vielfältige Möglichkeiten, sich in Gemeinschaft zu erleben, neue Personen kennenzulernen und bestehende Kontakte zu vertiefen. Hierzu gehört es auch, Feste und Feiern außerhalb der Einrichtung zu besuchen, wie z. B. Stadtteilfeste.

Gast oder Gastgeber_in bei einer Feier sein zu können, umfasst ganz verschiedene Aktivitäten, bei denen Menschen mit schwerer Behinderung oft Unterstützung benötigen. Dies betrifft sowohl die Vorbereitungen einer Feier als auch die Teilnahme daran. Damit gesellschaftliche Rituale wie das Überreichen eines Geschenks, das Anbieten von Speisen oder das Halten einer kleinen Rede gelingen können, müssen Gelegenheiten geschaffen werden, diese Aufgaben kennenzulernen und einzuüben (ggf. auch unter Einbezug von Kommunikationshilfen).

Feste und Feiern altersgemäß gestalten

Damit Feste und Feiern auch für Menschen mit schwerer Behinderung zu einem positiven Erlebnis werden können, ist es notwendig, ihre individuellen Bedürfnisse bei der Planung zu berücksichtigen. So ist z. B. zu bedenken, inwieweit das Zusammensein in größeren Gruppen tatsächlich auch als entspannend erlebt werden kann bzw. welche Rückzugsmöglichkeiten dafür zeitweilig notwendig sind.

Darüber hinaus ist bei der Gestaltung von Festen auf eine altersangemessene Ausrichtung zu achten. Auf Dekorationsmaterial, das z. B. an die Gestaltung von Kindergeburtstagen erinnert, sollte verzichtet werden.

THEMENSPEKTRUM

Die folgenden exemplarischen inhaltlichen Impulse sollen die Breite des Themenspektrums herausstellen. Sie beziehen sich sowohl auf Mitarbeiter als auch auf Beschäftigte.

  • spezifische Musik, Düfte, wiederkehrende Situationen bei den einzelnen Festen wahrnehmen (z. B. Duft des Weihnachtspunsches bei der regelmäßigen Adventsstunde)
  • durch das wiederholte multisensorische Erzählen z. B. von biblischen Geschichten die Bedeutung religiöser Feste kennenlernen, gemeinsam an Gottesdiensten teilnehmen
  • Räume der Einrichtung festlich dekorieren, dabei Verantwortung für einen bestimmten Bereich mit übernehmen
  • Fasching: z. B. Karnevalslieder singen, Faschingsveranstaltungen besuchen (u. a. Umzüge, Partys), sich verkleiden
  • Ostern: z. B. Osterfeuer entzünden, Osterfeier färben oder bemalen, Osterbrot backen, Osterstrauß schmücken
  • Erntedank: z. B. geerntetes Obst und Gemüse wahrnehmen und dekorativ aufstellen, Sträuße und Gebinde anfertigen, an Festveranstaltungen teilnehmen
  • Advent und Weihnachten: z. B. individuellen oder gemeinschaftlichen Adventskalender gestalten, Plätzchen backen, Räume dekorieren, Geschenke einkaufen oder anfertigen, Weihnachtsfeier in der Einrichtung bzw. der Gruppe durchführen, Weihnachtsbasar vorbereiten, Weihnachtsbaum in der Einrichtung schmücken, Weihnachtskarten gestalten und verschicken
  • weitere religiöse Feste kennenlernen und sich ggf. in der Einrichtung über persönliche Erfahrungen mit diesen Festen austauschen (z. B. Zuckerfest, Lichterfest)
  • im Mittelpunkt stehen, die besondere Aufmerksamkeit für die eigene Person erleben
  • Inhalte und Bedeutung persönlicher bzw. familiärer Feste kennenlernen (z. B. Geburtstag, Hochzeit, Taufe)
  • Geburtstag: z. B. zum Geburtstagsfrühstück oder zur Kaffeerunde einladen, jemanden hochleben lassen, gratulieren, ein Geschenk aussuchen, überreichen bzw. erhalten, Geburtstagstafel decken, Blumen aufstellen
  • Übergänge (z. B. Einstand im Arbeits- und Bildungsort, Verabschiedung in den Ruhestand): z. B. ein Buffet vorbereiten, auf die gemeinsame Zeit zurückblicken (Fotoshow, Film u. Ä. nutzen), Dank aussprechen
  • Dienstjubiläum: z. B. auf markante Erlebnisse in den vergangenen Jahren zurückblicken (z. B. mit Unterstützung von Fotos, Filmen), Leistungen der Person würdigen, kleinen Umtrunk organisieren, eine Rede halten, ggf. Urkunde überreichen
  • Durchführung von Sport- und Spielfesten (z. B. Wheel-Soccer-Cup, Darts-Turnier)
  • Sommerfest: z. B. in der Vorbereitungsgruppe mitwirken, eine spezielle Aufgabe übernehmen (z. B. beim Catering mitwirken, Musik aussuchen), einen Stand mit betreuen
  • Tag der offenen Tür: z. B. Dekoration und Catering vorbereiten, Gäste durch die Einrichtung führen oder Expert_innenrolle für einen Bereich der Einrichtung übernehmen (ggf. mit Unterstützung durch Talker, vorbereitete Präsentation), Produkte präsentieren
  • Jubiläum der Einrichtung begehen: z. B. Dokumentation über die Einrichtung anfertigen, Dekoration und Catering für die Festveranstaltung mit vorbereiten, Bereiche und Produkte der Einrichtung präsentieren
  • Bedeutung der Feiertage wahrnehmen bzw. kennenlernen, z. B. durch eine wiederkehrende Gestaltung der einzelnen Feiertage in der Einrichtung (spezifische Gegenstände, Musik, Film, Fotos, Orte einbeziehen)
  • Schließung der Einrichtung an diesen Tagen ankündigen und erklären
  • Neujahr: z. B. Neujahrsglückwünsche überbringen, Vorhaben für das neue Jahr beschließen, Jahreshoroskop lesen
  • Frauen- und Männertag durch spezifische Aufmerksamkeiten oder spezielle Angebote begehen: z. B. Frühstück, Ausflug, Spielstunde der Frauen oder Männer
  • Maifeiertag: z. B. „Tanz in den Mai“ organisieren, Aufstellung des Maibaums besuchen, sich an einem Straßenfest beteiligen
  • Tag der deutschen Einheit: z.B. Bedeutung des Feiertags kennenlernen (z. B. durch Besuch spezifischer Orte, Museen, Film- und Fotodokumente), Festveranstaltungen besuchen
  • verstorbener Familienangehörigen, Freunde, Beschäftigten oder Mitarbeiter_innen am Todestag gedenken: z. B. Fotos und andere Erinnerungen anschauen und aufstellen, sich mit weiteren Personen treffen, die die Verstorbenen gekannt haben, Erinnerungsorte aufsuchen, zum Friedhof gehen
  • an Gedenkveranstaltungen, Andachten teilnehmen
Icon für Literatur

Fröhlich, A. (2014): Aktivitäten des täglichen Lebens schwerstbehinderter Menschen. In: Fröhlich, A./ Heinen, N./ Klauß, Th./ Lamers, W. (Hgg.): Impulse. Schwere und mehrfache Behinderung – interdisziplinär, S. 229–240.

Niehoff, U. (2006): Menschen mit geistiger Behinderung in der Freizeit – Versuch einer Standortbestimmung. In: Theunissen, G./ Wüllenweber, E./ Mühl, H. (Hgg.) (2006). Pädagogik bei geistigen Behinderungen: ein Handbuch für Studium und Praxis. Stuttgart: Kohlhammer. S. 408-414.

Wansing, G. (2005): Teilhabe an der Gesellschaft: Menschen mit Behinderung zwischen Inklusion und Exklusion. Wiesbaden: Springer.