Mitarbeit bei den Ziegen im Streichelzoo

KONKRETISIERUNG  ·  Mitarbeit bei den Ziegen im Streichelzoo

 

SACHASPEKTE UND POTENZIAL

Die Arbeit mit Tieren und ihre Haltung bedeutet, Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen. Die Tiere, die in Ställen und Gehegen gehalten werden, sind auf die Pflege und Versorgung durch den Menschen angewiesen. Die Beschäftigten können durch die Tierhaltung erleben, dass ihre Arbeit sinnvoll ist und dass sie gebraucht werden, damit es den Tieren gut geht.

Die Haltung von Ziegen bietet sich an, da sie im Vergleich zu anderen Tieren in der Haltung weniger aufwendig sind und zudem zutraulich werden können. Ziegen können in der Einrichtung in einem ausreichend großen Stall mit entsprechendem Gehege gehalten werden. Außerdem kann die Tätigkeit, bei der Ziegenhaltung mitzuhelfen, auch als externe Unterstützung angeboten werden. Hier kommen in Frage: die Mitarbeit auf Bauernhöfen, in Tiergehegen oder an anderen Orten, an denen bereits Ziegen gehalten werden, oder die Zusammenarbeit mit Streichelzoos oder Zoos, zu denen ein Streichelzoo gehört. Dabei werden Kontakte außerhalb der Einrichtung geknüpft und gepflegt. Zudem erfahren die Beschäftigten gesellschaftliche Anerkennung für ihre geleistete Arbeit. Streichelzoos bieten neben der Mitarbeit bei den Ziegen weitere Beschäftigungsmöglichkeiten, durch die Haltung und Pflege weiterer Tiere, wie beispielsweise Schafe und Hasen.

Die Haltung von Ziegen, auch wenn sie als Haustiere gehalten werden, muss stets dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Zudem muss die Haltung artgerecht sein: Ziegen brauchen ausreichend große Ställe und dürfen niemals alleine gehalten werden, da sie Herdentiere sind. Die Ernährung der Tiere muss ihren Bedürfnissen entsprechen. Ziegen ernähren sich rein pflanzlich, vor allem von Heu, Gras, Blättern und Zweigen von Laubbäumen. Zudem benötigen sie immer ausreichend Trinkwasser. Um notwendige Mineralstoffe und Spurenelemente zu sich zu nehmen, benötigen Ziegen außerdem einen Mineralstein und einen Salzleckstein. Bei der Pflege müssen die Klauen der Ziegen mit einer speziellen Klauenschere oder einem Klauenmesser gekürzt werden. Dies erfolgt in der Regel zwei- bis dreimal im Jahr. Um Verletzungen bei den Ziegen zu vermeiden sollte man diese Aufgabe einem erfahrenen Ziegenhalter überlassen. Je nach Bauart des Ziegenstalls muss täglich, wöchentlich oder auch nur wenige Male im Jahr ausgemistet werden.

Bei der Zusammenarbeit mit Bauernhöfen und Streichelzoos kann das dortige Personal am besten darüber Auskunft geben, was bei der Haltung und Pflege von Ziegen zu beachten ist. Die Aufgaben, welche die Beschäftigten dort übernehmen können, sind vielfältig. Dazu gehört zum Beispiel das Ausmisten des Stalls und das Einstreuen von frischem Stroh, die Fütterung und Versorgung der Tiere mit Trinkwasser, die Kontrolle des Mineralsteins bzw. Salzsteins, das Bürsten des Fells sowie das Führen der Tiere vom Stall in das Gehege. Um den Ziegen das Erkunden von anderen Wiesen und Gebieten zu ermöglichen, können sie außerdem an einer Leine ausgeführt werden. Beim Spazierengehen sollte man immer mit mindestens zwei Ziegen zusammen gehen. Da sie Herdentiere sind, trennen sie sich nie von ihrer Gruppe und bleiben in der Nähe. Insbesondere in Streichelzoos sind die Ziegen den Kontakt mit Menschen gewöhnt. Sie sind deshalb nicht scheu und sehr zutraulich.

Das Einarbeiten in die Ziegenhaltung kann für Beschäftigte und Mitarbeiter_innen zunächst arbeitsintensiv sein. Nach einer gewissen Zeit kann der Arbeitsablauf aber schnell zu einer Routine werden. Die Beschäftigten benötigen möglicherweise in verschiedenen Phasen und Handlungsschritten Unterstützung. Nach einer gewissen Übungszeit kann die Hilfe reduziert werden, so dass sprachliche Hinweise und motorische Unterstützung bei der Ausführung der Tätigkeiten ausreichen können, um vollständige Handlungsvollzüge zu ermöglichen. Durch Arbeitsteilung und die Unterteilung in verschiedene Schritte können die Beschäftigten durch die Übernahme von Teilschritten ihren Beitrag zu Ziegenhaltung leisten.

IMPULSFRAGEN

Welche Möglichkeiten der Tierhaltung bietet die Einrichtung?

Welche Beschäftigungsmöglichkeiten und Orte außerhalb der Einrichtung gibt es, z. B. landwirtschaftliche Betriebe, Streichelzoos etc.?

Gibt es längere Phasen (z. B. Betriebsferien), in denen nicht gearbeitet wird, bzw. kann in dieser Zeit jemand die Versorgung der Tiere gewährleisten?

Gibt es Mitarbeiter_innen, die sich mit der Haltung von Tieren bereits auskennen?

Welche Vorerfahrungen haben die Beschäftigten mit Tierhaltung und dem Umgang mit Tieren?

Welche Möglichkeiten werden genutzt, um im Umgang mit Tieren Kooperationen und Sozialverhalten zu fördern sowie die Übernahme von Verantwortung zu lernen?

DIFFERENZIERUNG
  • Belastung der Muskeln spüren (z. B. beim Transportieren von Mist und Stroh)
  • Körperkontakt mit dem Tier, Berührungen mit dem Fell des Tieres, mit verschiedenen Körperteilen wahrnehmen, z. B. Hand, Bein
  • Bewusstsein für die eigenen Bewegungsmöglichkeiten schaffen durch verbale Rückmeldung bei einzelnen Bewegungsabläufen
  • Wärme und Weichheit des Fells wahrnehmen und spüren
  • unterschiedliche Futterstoffe und Zubehör kennenlernen, z. B. Bürste mit den Händen wahrnehmen
  • Gräser, Blätter und andere Pflanzen zum Füttern abzupfen/pflücken, ggf. Handschuhe tragen
  • mit den Händen Stroh, Heu und anderes pflanzliches Futter wahrnehmen
  • ggf. Arbeitshandschuhe anziehen und veränderte taktile Wahrnehmung feststellen
  • relevantes Arbeitsmaterial ins Blickfeld rücken (z. B. Futter, das in den Trog gefüllt werden soll, oder eine Bürste)
  • nach sprachlichen Hinweisen arbeiten, handlungsleitendes Sprechen einsetzen
  • Handlungsabläufe und einzelne Schritte vormachen
  • Gesten, Gebärden und Bilder (z. B. Checkliste) nutzen, um zu zeigen, welcher Arbeitsschritt als nächster folgt
  • Gesten und Gebärden nutzen (z. B. um zu zeigen, wo der Futtertrog ist)
  • Geräusche, welche die Tiere machen, wahrnehmen
  • Geruch der Tiere bzw. Gerüche im Stall wahrnehmen (z. B. Geruch der Ziegen/des Ziegenstalls)
HANDLUNGSLEITENDE PRINZIPIEN
  • Gewohnheiten und Erfahrungen in Bezug auf die Wahl der Arbeitsschritte berücksichtigen (z. B. Scheu vor direktem Kontakt mit Tieren)
  • Wahlmöglichkeiten bezüglich der Arbeitsschritte und Arbeitsbereiche bieten (z. B. Interesse an taktilen Erfahrungen beim Bürsten des Fells oder Pflücken von Gräsern)
  • Vorlieben und Wünsche berücksichtigen (z. B. Emotionen im Umgang mit verschiedenen Arbeitsschritten beobachten, ggf. stellvertretende Einschätzung von Vorlieben und Bedürfnissen)
  • Wechsel zwischen den Aufgaben und Arbeitsbereichen anbieten
  • Möglichkeiten bieten, sich auf einen bestimmten Arbeitsschritt zu spezialisieren (d. h., diesen als „Experte“ auszuführen z.B. Bürsten der Tiere, Kontrolle des Salzlecksteins)
  • zur Entwicklung eigener Ideen anregen und diese aufgreifen (z. B. welche Gräser und Sträucher gepflückt werden, um die Tiere damit zu füttern)
  • Arbeitsprozess gemeinsam mit den Beschäftigten besprechen, arbeitsteilige Aufgaben gemeinsam vergeben (ggf. mithilfe von UK)
  • gemeinsam besprechen, wer mit wem zusammenarbeitet
  • Beschäftigte in alle Arbeitsprozesse miteinbeziehen und unterstützend zur Seite stehen
  • Verantwortung für einzelne Arbeitsschritte und Arbeitsbereiche übertragen (z. B. Öffnen der Stalltür zum Außengehege oder Kontrolle, ob ausreichend Trinkwasser vorhanden ist)
  • Gespräche ohne Einbezug der anwesenden Beschäftigten vermeiden
  • respektvoller Umgang der Mitarbeiter_innen mit Entscheidungen der Beschäftigten (z. B. in Bezug auf den individuellen Arbeitsrhythmus)
  • Beschäftigten die Möglichkeit bieten, Unterstützungsbedarf eigenverantwortlich einzufordern
  • Kommunikation mit dem Personal des Streichelzoos unterstützen (z. B. durch Aufsprechen von Begrüßung/Verabschiedung, Fragen auf BigMack, Step-by-Step etc.)
  • assistierende Handlungen und Arbeitsschritte im Arbeitsprozess versprachlichen (z. B. „wir legen das Heu in den Futtertrog“)
  • gemeinsame Besprechung vor und nach der Versorgung der Tiere, in denen anstehende Aufgaben besprochen und verteilt werden und die Versorgung reflektiert wird
  • gezielte und einheitliche Verwendung des (spezifischen) Wortschatzes im Arbeitsprozess
  • Zusammenarbeit unter den Beschäftigten im Arbeitsprozess unterstützen (z. B. Einstreuen von frischem Stroh im Team, Bürsten einer Ziege zu zweit)
  • unerwartetes und nicht situationsangemessenes Verhalten akzeptieren, verschiedene Gründe für Verhaltensauffälligkeiten in den Blick nehmen (z. B. Umgebungsfaktoren berücksichtigen)
  • individuelles Arbeitstempo akzeptieren
  • (individuelle) Pausen ermöglichen
  • individuelle Vorlieben und Abneigungen berücksichtigen (z. B. Arbeit mit und ohne Handschuhe, Arbeit mit Wasser, Arbeit mit Stroh, Arbeiten am Tier)
  • Sicherheit und Routine im Arbeitsprozess gewährleisten (z. B. bekannte Aufgaben übernehmen, vertraute räumliche und zeitliche Struktur)
  • Veränderungen im Arbeitsprozess transparent machen (z. B. wechselndes Personal, veränderte Arbeitsschritte)
  • nur so viel Assistenz wie nötig geben
  • Unterstützung bei Handlungsorientierung und Handlungsplanung
    • durch die taktile Erkundung der Tiere, Futterpflanzen, Arbeitsgeräte
    • durch Visualisierung der Handlungsabfolge mit Bildkarten etc.
    • durch strukturierte Zusammenstellung der Arbeitsgeräte und des Futters
    • durch Assistenz
  • Erleben von Selbstwirksamkeit
    • durch eigene Entscheidungen im Arbeitsprozess (z. B. Auswahl des Arbeitsbereichs)
    • durch das Erzeugen von Effekten (z. B. Bedienen des Wasserhahns, Öffnen der Stalltür, Hantieren mit Stroh/Heu)
  • Erleben von Wertschätzung durch andere Beschäftigte, Mitarbeiter_innen und Personal des Streichelzoos
    • durch regelmäßige Rückmeldeprozesse während und am Ende der Tätigkeiten (fachliches und emotionales Feedback, z. B. Gesten, Gebärden, Bilder einsetzen)
    • durch Tipps zur Weiterarbeit
    • Teil eines Teams sein, sich gemeinsam mit Kolleg_innen über die geleistete Arbeit freuen
THEMENBEZOGENES WORTFELD
  • die Ziege/n
  • der Stall
  • die Stalltür
  • der Auslauf
  • das Gehege
  • das Futter
  • der Futtertrog
  • das Wasser
  • das Heu
  • das Stroh
  • das Gras
  • der Salzleckstein
  • der Mineralstein
  • das Fell
  • die Bürste
  • die Leine
  • die Schubkarre
  • die Mistgabel
  • der Mist
  • der Misthaufen
  • füttern
  • bürsten
  • ausmisten
  • einstreuen
  • streicheln
  • ausführen
  • spazieren gehen
  • durstig
  • hungrig
  • sauber
  • schmutzig
  • voll
  • leer
  • leise
  • vorsichtig
  • weich
  • Ich brauche …
  • Ich möchte …
  • Ich bin fertig.
  • Ich brauche Hilfe.
  • Ich mache das alleine.
  • Ich bin erschöpft. Ich brauche eine Pause.
BEISPIELPLANUNG

Das vorliegende Angebot beschreibt die regelmäßige Arbeit in einem Streichelzoo, in dem Ziegen gehalten werden. Möglicherweise ist es sinnvoll, die Gruppe der Beschäftigten zu teilen und abwechselnd bei der Haltung und Pflege der Tiere mitzuhelfen, z. B. im wöchentlichen Wechsel. Dies ist abhängig von der Gruppengröße, der Anzahl an Ziegen und der Größe des Ziegenstalls.

Im Vorfeld gilt es zu klären, mit welchem Streichelzoo eine Kooperation möglich ist. Dabei können auch Zoos, zu denen Streichelzoos gehören, angefragt werden. Mit dem Streichelzoo gilt es zu klären, in welcher Regelmäßigkeit und Häufigkeit die Beschäftigten bei der Ziegenhaltung mitarbeiten und wie die jeweiligen Tätigkeitsbereiche aussehen können. Im Vorfeld bietet sich ein Besuch des Streichelzoos an, um den Streichelzoo, die Tiere und die dortigen Mitarbeiter_innen kennenzulernen.

Bevor mit den Vorbereitungen für die Pflege der Ziegen begonnen wird, sollte sichergestellt werden, dass die Beschäftigten keinen Hunger oder Durst und keine Schmerzen haben. Der Einstieg kann entweder in der Einrichtung oder im Streichelzoo vor Ort erfolgen. Der Ortswechsel zum Streichelzoo sollte durch eine Symbolkarte, eine Gebärde oder das taktile Erkunden eines typischen Gegenstandes angekündigt werden. Dieses Vorgehen ermöglicht den Aufbau von Erwartungen an die folgende Phase. So kann Verhaltensauffälligkeiten, die durch unvorhersehbare Abläufe entstehen, im Vorfeld entgegengewirkt werden. Es kann sinnvoll sein, Arbeitskleidung und je nach Vorlieben oder körperlichen Voraussetzungen, z. B. offenen Wunden, auch Arbeitshandschuhe zu tragen. Auch dies kann zur Markierung des bevorstehenden Orts- und Tätigkeitswechsels genutzt werden. Um die Aufmerksamkeit der Beschäftigten zu wecken, werden die Arbeitsmaterialien, wie zum Beispiel das Stroh und Heu, die Bürste oder die Leine, zum Spazierengehen erkundet. Die Arbeitsmaterialien können dabei von allen Beteiligten sinnlich wahrgenommen und erkundet werden →effektgeleitet. Den Beschäftigten werden die unterschiedlichen Arbeitsbereiche, die zur Auswahl stehen, vorgestellt und ggf. in einem ersten Rundgang gemeinsam erlebt, z. B. die Fütterung, die Versorgung mit Trinkwasser, die Kontrolle des Mineral- und Salzsteins, das Bürsten der Tiere, das Öffnen der Stalltür, das Ausmisten, das Stroheinstreuen, das Futterpflücken oder das Spazierengehen. Dabei können die unterschiedlichen Arbeitsmaterialien oder auch Bildkarten zur Visualisierung der verschiedenen Tätigkeitsbereiche eingesetzt werden →reflektiert-symbolisch. Die Zahl der möglichen Arbeitsbereiche kann zu Beginn der Tätigkeit reduziert werden und mit zunehmender Routine in den Arbeitsabläufen schrittweise erweitert werden. Die Mitarbeiter_innen erklären, warum die Versorgung und Pflege der Tiere wichtig ist und worauf zu achten ist →reflektiert-symbolisch. Gemeinsam wird besprochen, wer in welchem Bereich arbeiten möchte und in welchen Teams gearbeitet wird. Bei der Einteilung werden die individuellen Interessen und Vorlieben der Beschäftigten berücksichtigt. Es gilt jedoch auch, die baulichen Gegebenheiten zu berücksichtigen und gegebenenfalls örtliche Alternativen zu suchen, z. B. die Ziegen nicht im Stall, sondern an einem anderen Ort zu bürsten.

Zu Beginn können die Beschäftigten mit den Ziegen in Kontakt treten und diese begrüßen, indem sie die Ziegen ansprechen, ggf. mit Unterstützung durch BigMack oder Step-by-Step →effektgeleitet/ergebnisorientiert. Die Beschäftigten können auch den Körperkontakt zu den Tieren suchen. Dies kann durch Handführung unterstützt werden →effektgeleitet.

Die folgenden Arbeitsschritte können in Kleingruppen durchgeführt werden, z. B. in stellvertretender Ausführung, Handführung oder in Arbeitsteilung. Beschäftigte, die alle Handlungsschritte überblicken können, sollten so selbstständig wie möglich vorgehen, z. B. mithilfe von Checklisten oder Bildanleitungen →reflektiert-symbolisch. Im Umgang mit den Tieren und verschiedenen Arbeitsmaterialien sollten Sicherheitsaspekte thematisiert werden, z. B. der Umgang mit einer Mistgabel oder dass die Tiere nicht freigelassen werden dürfen.

Die auszuführenden Teilschritte können von den Mitarbeiter_innen vorgemacht und von den Beschäftigten wiederholt werden. Beschäftigte, die den Handlungsvollzug verinnerlicht haben, können ihren Kolleg_innen sprachliche Hinweise geben (mithilfe von Talkern mit Piktogrammen des themenbezogenen Wortfeldes, BigMacks) oder mithilfe von Gesten ausdrücken, was zu tun ist. Die Beschäftigten sollten die Möglichkeit erhalten, ihr vorhandenes Vorwissen zur Ausführung der nächsten Arbeitsschritte anwenden zu können. Die möglichst selbstständige und selbstgesteuerte Arbeit der Beschäftigten sollte Priorität haben, auch wenn die Versorgung und Pflege der Tiere dadurch länger dauert.

Die nachfolgenden Tätigkeitsbereiche sind nicht zwingendermaßen bei jeder Versorgung und Pflege der Tiere durchzuführen und können je nach Stimmung und Verfassung der Beschäftigten durchgeführt werden. Die Zahl der Tätigkeiten kann schrittweise erweitert werden.

Fütterung und Versorgung mit Trinkwasser

Die erforderlichen Futtermittel (z. B. Heu) werden in den Stall gebracht. Den Transport können Beschäftigte im Rollstuhl oder zu Fuß übernehmen, indem sie beispielsweise einen Wagen oder einen Schubkarren schieben oder lenken. Das frische Futter kann entweder mit der Hand oder mithilfe einer Schaufel in den Futtertrog gefüllt werden. Dabei kann das Heu taktil wahrgenommen werden →effektgeleitet. Der Wassertrog kann mithilfe eines Wasserschlauchs aufgefüllt werden. Dabei gilt es den Wasserschlauch an den Ort zu bringen, an dem der Wassertrog steht. Das Befüllen des Wassertrogs mit dem Schlauch geschieht in Arbeitsteilung – eine Person dreht den Wasserhahn auf und zu und eine andere Person hält den Schlauch →ergebnisorientiert. Alternativ kann das Wasser auch in einer Gießkanne oder einem anderen Behälter zum Wassertrog transportiert werden. Für einige Beschäftigte kann es motivierend sein, das Wasser taktil wahrzunehmen oder bestimmte Effekte (z. B. durch Aufdrehen des Wasserhahns) hervorzurufen →effektgeleitet. Zusätzlich zur Fütterung und Versorgung mit Trinkwasser gilt es, regelmäßig die Salz- und Mineralsteine der Ziegen zu kontrollieren. Dies kann ebenfalls im Team übernommen werden. Hier können Bilder zum Vergleich verwendet werden, die zeigen, wie einerseits ein voller Salz- und Mineralstein aussieht und andererseits einer, der ausgewechselt werden muss →reflektiert-symbolisch.

Reinigung des Stalls

Bevor der Stall ausgemistet und mit neuem Stroh eingestreut werden kann, kommen die Ziegen in den Auslauf. Dafür wird die Tür, die zum Auslauf führt, geöffnet. Dies kann selbstständig oder auch durch Handführung erfolgen →effektgeleitet/ergebnisorientiert. Anschließend gilt es, das schmutzige Stroh auf einen Schubkarren oder Wagen zu laden. Dafür wird eine Mistgabel verwendet. Dieser Arbeitsschritt kann in Arbeitsteilung durchgeführt werden, indem manche Beschäftigte den Mist mit der Gabel oder einer Schaufel auf die Schubkarre oder einen Wagen laden und eine andere Person den Wagen oder die Schubkarre festhält. Der Mist wird anschließend zum Misthaufen gefahren und dort abgeladen. Beim Ausmisten des Stalls sollten aus hygienischen Gründen grundsätzlich Handschuhe getragen werden. Das frische Stroh wird in den Stall gebracht und entweder mit der Hand oder mithilfe einer Schaufel auf dem Boden verteilt →effektgeleitet/ergebnis­orientiert.

Bürsten des Fells

Die Bürste als Arbeitsmaterial kann von den Beschäftigten zunächst taktil wahrgenommen werden. So können sie selbst auf ihrer Haut spüren, wie sich die Bürste anfühlt →effektgeleitet. Um die Ziegen zu bürsten, wird die Nähe zu ihnen gesucht. Da die Ziegen das Bürsten ihres Fells sehr genießen, bleiben sie in der Regel bereitwillig stehen. Das Bürsten kann in stellvertretender Ausführung, mit Handführung oder selbstständig erfolgen →ergebnisorientiert.

Spazierengehen

Zum Spazierengehen werden die Ziegen an die Leine genommen. Die Beschäftigten können mit den Ziegen nun Wiesen und Grünflächen besuchen und die Ziegen dort fressen lassen. Dazu wird die Leine am Halsband der Ziege befestigt →ergebnisorientiert. Beim Spazierengehen können die Beschäftigten die Leine an ihrer Hand bzw. an ihrem Körper und eventuell das Ziehen der Ziegen an der Leine spüren →effektgeleitet.

Nahrung sammeln

Damit die Ziegen neben dem täglichen Heu und Gras noch weitere Nahrungsmittel bekommen, können die Beschäftigten verschiedene Pflanzen pflücken und sammeln, beispielsweise Löwenzahn, Kräuter, Sträucher, aber auch Blätter und ganze Zweige. Diese können auf dem Gelände des Streichelzoos gesucht und gesammelt werden. Die Beschäftigten können die Pflanzen taktil wahrnehmen und an den Pflanzen reißen und rupfen →effektgeleitet/ergebnisorientiert. Dieser Arbeitsschritt kann auch in Arbeitsteilung erfolgen, indem ein/e Beschäftigte/r die Pflanzen pflückt, eine andere Person einen Eimer hält und beispielsweise ein/e weitere/r Beschäftigte/r die gesammelten Pflanzen in den Eimer legt. Die Pflanzen können anschließend direkt an die Ziegen verfüttert werden.

Während der gesamten Arbeitsphasen sollten die emotionalen, körperlichen und verbalen Äußerungen der Beschäftigten berücksichtigt werden. Gegebenenfalls kann mit Lob, motorischer Unterstützung oder mit individuellen Pausen reagiert werden. Zur Strukturierung und Visualisierung des zeitlichen Ablaufs trägt der Vergleich noch zu verrichtender Arbeit mit der bereits geleisteten bei, indem z. B. das Heu, das noch in der Schubkarre liegt, mit dem Heu, das sich schon im Futtertrog befindet, verglichen wird.

Die Arbeitsphase endet, wenn alle Arbeiten erledigt sind. Beim Wegräumen der Arbeitsmaterialien werden alle Beschäftigten entsprechend ihren Voraussetzungen miteinbezogen. Die Arbeitsmaterialien, wie Bürsten und Leinen, werden transportiert und mithilfe von Symbolen an ihren Platz zurückgeräumt. Ebenso werden verwendete Schubkarren, Wagen, Schaufeln oder Gabeln aufgeräumt.
Das Begutachten der Tiere, des aufgefüllten Futter- und Wassertrogs oder des frisch eingestreuten Strohs stehen nun im Vordergrund. Mithilfe von Talkern, Symbolen mit Sternen und Smileys kann die eigene Arbeit bzw. die Arbeit der Kolleg_innen bewertet und reflektiert werden. Auch wenn Beschäftigte keinen Zusammenhang zwischen der geleisteten Arbeit und der eigenen Tätigkeit herstellen können oder dies äußerlich zumindest nicht erkennbar wird, kann eine unmittelbare Bewertung der gemachten Erfahrungen erfolgen. Dies kann anhand von Mimik und Körpersprache im gesamten Verlauf des Angebots beobachtet werden.