Außenbereich vor einer Kita sauber halten

KONKRETISIERUNG  ·  Außenbereich vor einer Kita sauber halten *

Gesine Koher – Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung GmbH


Sachaspekte

Mitarbeitende eines Beschäftigungs-und Förderbereichs sollen neben der Kompetenzerweiterung und der Selbstwirksamkeitserfahrung u.a. einen Bezug zur Arbeitswelt, ein Arbeitsverständnis bzw. eine Arbeitsidentität entwickeln. Daher ist die Auswahl des Angebots in den Sozialraum verlegt und damit eine „echte“ Offerte an einen Kindergarten: zweimal wöchentlich den Außenbereich vor der Kita von weggeworfenem Müll zu befreien. Die Aufgabe beinhaltet während der Vorbereitungsphase ein Bildungsangebot zum Thema Umweltschutz und Müllentsorgung sowie die Auseinandersetzung mit Werkzeugen, Arbeitskleidung und der Kommunikation mit allen internen und externen Beteiligten. Bei der Umsetzung der Aufgabenstellung können alle Mitarbeitende nach ihren Fähigkeiten und Interessen in die Prozesse eingebunden werden: aktiv: Müllzange bedienen, Eimer tragen, Schubkarre schieben, Müll sichten. Passiv: Umwelterfahrung, Wahrnehmung der Kommunikation untereinander, z.B. den Eimer am Rollstuhl befestigen und damit in den Tätigkeitsprozess eingebunden sein. Die echte wertschätzende Resonanz der Kita-Mitarbeitenden und Eltern der Kita-Kinder ist neben dem sichtbaren Erfolg der Arbeit, Motivationsgeber und Ansporn für Zuverlässigkeit und Grundlage für das Selbstverständnis „wahrgenommen zu werden“, „wirksam zu sein“, „mitmachen zu können“, „notwendige, wichtige Arbeit zu machen“.

Potenzial
  • Motorische Fähigkeiten: Müllzange bedienen, Eimer tragen, mit dem Besen fegen, Müllschaufel bedienen, Kehrmaschine schieben, Schubkarre schieben
  • Alltagskompetenz: Jacke und Weste anziehen, Handschuhe anziehen, Verantwortung übernehmen
  • Räumliche Orientierung: Wie komme ich zu der Kita? Welchen Bereich halten wir sauber?
  • Verkehrssicherheit: Wie verhalte ich mich im öffentlichen Raum?
  • Teamarbeit, Kommunikation und soziale Fähigkeiten: Wer hält den Eimer und wer arbeitet mit der Zange? Wie mache ich mich bemerkbar oder rufe ich andere Mitarbeitende, wenn ich Unterstützung benötige?
  • Visuelle Wahrnehmung: Wo liegt der Müll?
  • Bildung: Umweltschutz, Mülltrennung und Entsorgung, bürgerliches Engagement
  • Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld Hausmeister-Service
  • Erfolgserlebnis: Wann ist die Arbeit erledigt?
IMPULSFRAGEN
  • Welche Werkzeuge, Arbeitskleidung sind notwendig, um dem Angebot Ernsthaftigkeit zu verleihen?
  • Welche vorbereitenden Angebote müssen zur richtigen Einordnung des Angebots stattfinden? Wie können sich Mitarbeitende qualifizieren? Besuch bei der BSR? Treffen mit einem BSR-Team? Treffen mit einem Hausmeister? Treffen mit dem Quartiers-Management-Projekt zur Müllbeseitigung als bürgerliches Engagement?
  • Welche Mittel zur fachspezifischen Kommunikation müssen vorbereitet werden (Bilder der Werkzeuge und Tätigkeiten, Eiführung von Gebärden und Piktogrammen)?
  • In welche Teilschritte der Angebotsvorbereitung sind die Mitarbeitenden mit einzubinden? Kontaktaufnahme und Anfrage bei der Kita, Beschaffung des Arbeitsmaterials?
  • Welche vorbereitenden Übungen sind notwendig, um den Umgang mit den Arbeitsmaterialien zu üben?
  • Wie sind die Arbeitsprozesse kleinschrittig zu unterteilen, um jeden Mitarbeitenden in einen Arbeitsschritt mit einzubinden?
  • Unterstützungsbedarfe ermitteln? (Hilfsmittel, Wahrnehmung, Kognition, Kommunikation, Emotionale u. soziale Fähigkeiten)
  • Welche individuelle Assistenz benötig jeder Mitarbeitende? Wieviel Personal wird benötigt?
  • Welche Mitarbeitende des BFBs haben ein Interesse/ sind motiviert an dem Angebot teilzunehmen? Z.B. identifizieren sich mit echter „Hausmeisterarbeit“, haben ein großes Bewegungsbedürfnis oder sind gerne draußen, haben einen persönlichen Gewinn durch das gemeinschaftliche Erledigen einer Aufgabe in der Gruppe?
  • Welche vorbereitenden Angebotseinführungen können stattfinden, um die schon vorhandenen Kompetenzen der Mitarbeitenden herauszuarbeiten und sie als „Experten“ für die Aufgabe zu identifizieren?
  • Welche Störungen können bei der Durchführung auftreten? Welche Gegenmaßnahmen können vorbereitet werden? Z.B. Begegnung mit Hunden im öffentlichen Raum, Ängste vor bestimmten Lärmquellen, Gehörschutz…
DIFFERENZIERUNG

Die nachfolgenden Angaben zur Differenzierung beziehen sich auf drei konkrete Beschäftigte.

  • Bewusstsein für die eigenen Bewegungsmöglichkeiten schaffen durch verbale Rückmeldungen, bei einzelnen Bewegungsabläufen unterstützen
  • Körperbewusstsein unterstützen durch Veränderung der Körperlage (z. B. Veränderung der Muskelspannung bei Gewichtsverlagerungen nach außerhalb der Körpermitte)
  • unterschiedliche Belastung der Muskeln spüren, z.B. Handmuskulatur bei Greifzangen-Bedienung, Kehrmaschine aus dem Rollstuhl heraus schieben, Übertragung des Schubs in das Arbeitsgerät und Betätigung neuer Muskelketten
  • beim Arbeiten (z. B. Kehren) oder bei unterschiedlicher Kraftdosierung (z. B. Müll mit der Zange ansteuern)
  • Gewicht der Arbeitsgeräte wahrnehmen (Besen halten, Schubkarre schieben)
  • verschiedene Bodenbeläge (z. B. Bürgersteige, Beet, Rampe, Treppe), Unebenheiten, Gefälle im Bodenbelag ertasten, den Körper auf den verschiedenen Untergründen stabilisieren, um eine sichere Ausgangsposition herzustellen (Muskeltonus oder Rollstuhl anbremsen)
  • Werkzeuge mit den Händen wahrnehmen evtl. Handführung über die verschiedenen Materialien streichen, dabei Druck variieren, um Sensibilität und Erkundungswahrnehmung zu erweitern
  • Arbeitshandschuhe anziehen und veränderte taktile Wahrnehmung feststellen
  • Zunehmendes Gewicht des Eimers wahrnehmen
  • Arbeitsrichtung einhalten (z. B. Fläche von rechts nach links bearbeiten)
  • Arbeitsbereiche unterscheiden (Bürgersteig u. Beet, Treppe u. Rampe)
  • relevantes Arbeitsmaterial Müll wahrnehmen
  • relevanten Mitarbeitenden für Teamarbeit wahrnehmen
  • Passanten, Autos, Fahrräder, Hunde wahrnehmen und trotzdem auf die visuellen Reize der Aufgabe fokussieren, handlungsbegleitendes Sprechen einsetzen
  • Handlungsbegleitendes Sprechen in der Assistenz wahrnehmen, Kommunikation der Mitarbeitenden untereinander und Umweltlärm erschweren die Wahrnehmung der relevanten Reize – Gehörschutz, Handlungsabläufe und einzelne Schritte vormachen, nach Bildanleitungen arbeiten, Gebärden, Gesten und Bilder verwenden (z. B. Checkliste)
  • Detaillierte Arbeitsbesprechung vorab und Bekanntmachung aller Gebärden und Gesten
  • Umwelterfahrung: Wahrnehmung der Wettereinflüsse, Jahreszeiten und Vegetation

HANDLUNGSLEITENDE PRINZIPIEN
  • Wahl des Berufsfeldes
  • Beteiligung der Mitarbeitenden an der Planung und Umsetzung des Angebots, in alle Arbeitsschritte miteinbeziehen und assistierend zur Seite stehen
  • Wahl der Spezialisierung auf ein Werkzeug/ Übernahme von Tätigkeiten, Voraussetzungen und Erfahrungen bei Wahl von Arbeitsschritten berücksichtigen (z. B. Fähigkeit zu greifen, Fähigkeit im Stehen zu arbeiten etc.)
  • Möglichkeiten bieten, sich auf einen bestimmten Arbeitsschritt zu spezialisieren (d. h., dieses als „Experte“ auszuführen, z. B. Zange bedienen, Schubkarre schieben, Eimer tragen, Besen benutzen, Kehrmaschine schieben)
  • Vorlieben und Wünsche berücksichtigen (z. B. Emotionen im Umgang mit verschiedenen Arbeitsschritten beobachten, ggf. stellvertretende Einschätzung)
  • Tägliche Arbeitsbesprechungen
  • Mitbestimmung bei der Planung der Wochenstruktur und Tagesstruktur
  • Mitbestimmung bei der Planung des Angebots, Arbeitsprozesse gemeinsam mit den Beschäftigten besprechen, arbeitsteilige Aufgaben gemeinsam vergeben (ggf. mithilfe von UK)
  • Möglichkeit der Teilnahme nach Tagesverfassung
  • Besuch von entsprechenden Bezugsgruppen in der Erwachsenenwelt (BSR)
  • Echte Arbeitswerkzeuge und Arbeitskleidung
  • Identifikation der Mitarbeitenden mit echten Berufsfeldern
  • Entwicklung von einer Vorstellung bzgl. der Wichtigkeit der Arbeit
  • Entwicklung der Vorstellung Erwachsene unterstützen Kinder
  • Mitarbeitende sollen in die Vorbereitung bzw. Nachbereitung der Arbeitsphase miteinbezogen werden (z. B. Werkzeuge holen/wegbringen, Arbeitskleidung anziehen)
  • Mitarbeitende unterstützen und Assistenzrolle einnehmen (kein Aufdrängen von Unterstützung)
  • Verantwortung für einzelne Aufgaben übertragen (z. B. Kehren, Müll sammeln)
  • Verbindlichkeit hinsichtlich der sorgfältigen, verlässlichen Ausführung einfordern
  • Verantwortung auch für Arbeiten mit Gefahrenpotenzialen übertragen (z. B. Arbeit mit der Müllzange), aber auch Einhalten der Sicherheitsaspekte einfordern (Arbeitshandschuhe, Handführung)
  • Mitarbeitende und Personal sprechen sich gegenseitig und untereinander mit Namen an, ggf. mithilfe von UK oder GUK
  • Verlässlichkeit untereinander einfordern
  • gezielte und einheitliche Verwendung des (spezifischen) Wortfeldes im Arbeitsprozess
  • anstehende Aufgaben im Team besprechen, Änderungen mitteilen
  • Kooperation der Beschäftigten untereinander fördern (z. B. durch arbeitsteiliges Vorgehen, Kommunikation ggf. mithilfe von UK und GUK etc.)
  • Respektvolle Interaktion auf Augenhöhe, keine Gespräche „über die Köpfe von Beschäftigten hinweg“
  • durch responsive Haltung niedrigschwelliges Assistenz-Angebot
  • assistierende Handlungen im Arbeitsprozess sprachlich begleiten (z. B. wir heben den Müll auf)
  • Tipps zur Weiterarbeit geben, loben und Leistungen wertschätzen
  • unerwartetes und nicht situationsangemessenes Verhalten reflektieren, verschiedene Gründe für Verhaltensauffälligkeiten in den Blick nehmen (z. B. Interaktionen, Kommunikation, Umgebungsfaktoren berücksichtigen)
  • individuelles Arbeitstempo akzeptieren
  • (individuelle) Pausen ermöglichen
  • Sicherheit und Routinen im Arbeitsprozess ermöglichen, Änderungen vorher mitteilen/transparent machen
  • Bewusstmachen der bereits vorhandenen individuellen Fachkompetenz im Vorbereitungsprozess, Selbstbestätigung durch die Offerte des Angebots an die Kita
  • selbständige Planung und Ausführung der Arbeiten unterstützen (z. B. durch die Verwendung von Hilfsmitteln)
  • Unterstützung bei Handlungen durch genaue Klärung des Auftrages und Visualisierung der Handlungsabfolge mit Bildkarten, Tutorials etc. und des Auftrages und Ergebnisses durch Anfertigen/Zeigen von Vorher-Nachher-Fotos
  • Unterstützung bei Handlungen durch sensibel eingesetzte Assistenz durch Tipps zur Weiterarbeit, taktile Erkundung der Werkzeuge/Materialien, Handführung, stellvertretendes Handeln
  • Erleben von Selbstwirksamkeit durch eigene Verantwortung und Entscheidungen im Arbeitsprozess (z. B. Wahl der Werkzeuge und Hilfsmittel, Beachten der Arbeitsschutzvorgaben (Handschuhe, Weste)) und durch das Erzeugen von Effekten (z. B. Zangengriff drücken- Greifer schließt, Kehrmaschine schieben- Bürsten drehen)
THEMENBEZOGENES WORTFELD
  • die Hundekacke
  • das Laub
  • der Dreck
  • der Müll
  • das Papier
  • das Plastik
  • das Glas
  • der Restmüll
  • die Beete
  • der Bürgersteig
  • die Treppe
  • die Rampe
  • das Fahrrad
  • das Auto
  • der Fußgänger
  • der Hund
  • der Müllgreifer
  • der Eimer
  • die Mülltonne
  • der Besen
  • die Kehrmaschine
  • die Müllschippe
  • der Handfeger
  • die Schubkarre
  • der Werkzeugwagen
  • die Handschuhe
  • die Weste
  • die Arbeit
  • die Pause
  • der Start
  • das Ende
  • sauber machen
  • gucken und suchen
  • fegen
  • auffegen
  • aufsammeln
  • wegbringen
  • sortieren
  • schieben
  • greifen
  • bücken
  • helfen
  • kommen
  • weggehen
  • schmutzig
  • sauber
  • voll
  • leer
  • ordentlich
  • unordentlich
  • gut
  • schlecht
  • gerne
  • ungern
  • Ich brauche bitte…
  • Ich bin fertig.
  • Vorsicht Hundekacke
  • Ich brauche Hilfe von……
  • Kann ich Dir helfen?
  • Ich mache das allein.
  • Das gefällt mir gut.
  • Das gefällt mir nicht.
  • Das kann ich gut.
  • Das kann ich nicht.
  • Das machst du gut.
  • Danke
  • Bitte
BEISPIELPLANUNG
Teilnahme in der Hausmeistergruppe

Alle Gruppen im BFB sind an einem Berufsfeld ausgerichtet. Je nach individuellem Interesse und Vorstellungen können sich die Mitarbeitenden für ein Berufsfeld entscheiden (Eingangsinterview) oder umentscheiden (Zielvereinbarungsgespräch). Einige Mitarbeitenden bevorzugen auf Grund eines ausgeprägten Bewegungsbedürfnisses die häufigen Außenaktivitäten in der Hausmeistergruppe, bei anderen entspricht das Berufsfeld ihren Vorstellungen vom Arbeitsleben, oder für sie sind andere Dinge ausschlaggebend, z.B. die Arbeitskleidung. Alle Mitarbeitenden sind aus eigener Motivation in der Hausmeistergruppe.

Regelmäßige Arbeitsbesprechung etablieren

Konzeptionell ist für alle BFB-Gruppen hinterlegt: Ein verbindlicher Tages- und Wochenplan bietet den Mitarbeitenden eine klare Übersicht und eine verlässliche Struktur. Er erleichtert es, sich im Gruppenalltag zu orientieren und wird im Gruppenraum im Rahmen einer morgendlichen Arbeitsbesprechung mit individuellen Piktogrammen/ Kommunikationsmöglichkeiten kommuniziert und am Whiteboard visualisiert. Es stehen den Mitarbeitenden immer mehrere Gruppenleitungen als Ansprechpartner zur Verfügung und es werden in der Arbeitsbesprechung immer Alternativangebote kommuniziert. Die Mitarbeitenden haben so die Wahlmöglichkeit, sich nach ihren Bedürfnissen ins Tagesgeschehen einzubringen. Zudem haben sie die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Gruppenleitungen zusammen zu arbeiten. Damit ist das Prinzip der Arbeitsbesprechung in der Hausmeistergruppe schon in der Vorphase etabliert. Mitarbeitende haben gelernt sich durch ihre individuellen Kommunikationsmöglichkeiten einzubringen, kennen ihre Möglichkeit eine Wahl zu treffen, eine Aufgabe übernehmen oder ablehnen zu können und wissen auch um die Verbindlichkeit ihrer Zusagen innerhalb einer Planung. Ebenfalls ist es den Mitarbeitenden bereits bekannt, mit unterschiedlichen Mitarbeitenden und Personal zusammen zu arbeiten.

Umweltgänge

Im Rahmen der Tagesstrukturplanung sind Umweltgänge bereits Teil der Tages- oder Wochenstruktur. Es gibt bereits Symbolkarten und Kommunikationsmittel. Die Mitarbeitenden gehen gemeinsam nach draußen. Der Wechsel vom Gruppenraum ins Freie wir durch eine Symbolkarte auf dem Whiteboard angekündigt.

Einführung von Kommunikationsmöglichkeiten (UK, GUK, Symbolkarten Kommunikationskarten)

Alle Tagesordnungspunkte, Tätigkeiten, Personen, Örtlichkeiten werden nach und nach als Symbolkarte mit aufgenommen. In Talker werden diese individuell eingefügt und eine GUK-Gebärde wird der Symbolkarte zugeordnet. Es gibt einen allgemeinen Symbolkartenfundus oder individuell gestaltete Kartenkästchen für einzelnen Mitarbeitenden, um die individuelle Überschaubarkeit der Karten sicher zu stellen.

Einführung von Arbeitskleidung (Arbeitsschutz)

Es wird thematisiert warum Arbeitskleidung wichtig ist. Es ist sinnvoll, Arbeitskleidung und Arbeitshandschuhe bei Umweltgängen anzuziehen und den Umweltgang dann mit einer Tätigkeit im Freien zu verbinden. Wird ein Angebot regelmäßig durchgeführt, kann das Umziehen eine Art Ritual darstellen, das den Aufbau von Erwartungen an die folgende Phase unterstützt.

Fotosafari im Kiez

Was gehört hier nicht hin? Auf Umweltgängen im Kiez wird sehr bewusst das Straßenbild wahrgenommen und fortlaufend thematisiert. Mitarbeitende fotografieren Dinge die nicht ins Straßenbild gehören. Die Fotos werden angeschaut und besprochen.

Bildungsangebot zum Thema Umweltschutz

Wie kommt der Müll auf die Straßen? Wie geht man richtig mit Müll um? Müll und Tiere? Müll und Umweltschutz? Müll sortieren? In dem Bildungsangebot werden wichtige Fragen zu dem Thema Müll im Straßenbild thematisiert. Grundlage des Angebots sind die Fotos von der Fotosafari. Zu jedem Bild wird eine Geschichte überlegt – warum steht der Kaffee-Becher/die Flasche dort? Wer hat ihn vergessen und warum hat derjenige ihn nicht in den Mülleimer geworfen. Was passiert, wenn der Kaffeebecher dort stehen bleibt, wie sind die Auswirkungen auf Tiere und die Umwelt. Zudem wird bei jedem Foto überlegt, in welchen Eimer das zu sehende Müllstück richtig entsorgt werden müsste. Hierzu stehen vergleichbare Gegenstände auf dem Tisch und werden von dem Mitarbeitenden in einem Mülltrennungssystem entsorgt. Ziel ist es, die Auswirkungen zu vermitteln, und die Verantwortlichkeit jedes Einzelne zu verdeutlichen. Des Weiteren werden die Kompetenzen zur richtigen Versorgung vermittelt.

Kennenlernen der notwendigen Arbeitswerkzeuge

Kommunikationsmöglichkeiten anlegen (Fotos/GUK etc.), Werkzeugwagen bestücken Die Arbeitswerkzeuge Müll-Greifzange, Eimer, Besen, Schaufel, Kehrmaschine werden nacheinander auf den Tisch gelegt. Jeder Mitarbeitende soll das Werkzeug anfassen und ausprobieren. Jedes Werkszeug wird benannt, für die Kommunikationsmittel und Symbolkarten fotografiert und eine Geste entworfen.

Mitarbeitende differenzieren die Arbeitsschritte in einer praktischen Übung

Verschiedene Gegenstände werden im Gruppenraum versteckt. Die Vorgehendweise wird gemeinsam besprochen. Folgende Arbeitsschritte können identifiziert werden:

  • Gegenstand entdecken
  • Gegenstand mit der Müllzange greifen
  • Eimer anreichen
  • Schnipsel mit dem Besen fegen
  • Schnipsel mit der Kehrmaschine fegen
  • Zusammengekehrtes auffegen (Schaufel halten )
  • Zusammengekehrtes auffegen (auf die Schaufel fegen )
  • Werkzeugwagen holen
  • Schubkarre für die Müllsammlung schieben
Erfahrungen mit dem Werkzeuge machen

spielerische Indoor-Safari (Teamarbeit u. Kommunikation untereinander initialisieren) – Immer wieder finden in der Wochenstruktur Übungseinheiten im Umgang mit den Werkzeugen statt. Diese werden in der jeweiligen Arbeitsbesprechungen mit alle thematisiert. Mitarbeitende heben mit den Zangen Papierknüll-Bällchen oder fegen Papierschnipsel auf. Das Augenmerk liegt zunehmend auf der Kooperation in den Kleinteams und der Kommunikation untereinander. Jeder Mitarbeitende erhält seine individuelle Assistenz, verbale Unterstützung bis hin zur Handführung. Mitarbeitende lernen hier schon die unterschiedlichen Positionen kennen und können sich auf ihre bevorzugte Arbeit konzentrieren. Zudem lernen die Mitarbeitenden sich untereinander kennen und lernen sich aufeinander einzustellen. Eine spielerische Variante der Übungseinheit ist die Indoor-Safari. In den Räumlichkeiten werden Papierknüll-Bällchen versteckt. Mitarbeitende müssen im Kleinteam (Müllzangenbediener und Eimerhalter) entweder möglichst viele Bällchen einer bestimmten Farbe einsammeln. Auch hier erhalten Mitarbeitende individuell notwendige Assistenz. Die Praxistest-Variante der Übungseinheit ist der direkte Einsatz der erworbenen Kompetenzen im öffentlichen Raum vor dem BFB. Die gesamte Gruppe mit entsprechendem Werkzeug entfernt den Müll unter Beachtung der erlernten Kommunikationsmöglichkeiten und Kooperationen in den Kleinteams.

Identifizierung des Müllsammelns als Hausmeisterliches Arbeitsgebiet
  • Besuch bei BSR-Mitarbeitenden: Bei einem Umweltgang findet ein Treffen mit der für den Kiez zuständigen BSR-Handreinigungs-Gruppe statt. Die BSR-Mitarbeitenden berichten von ihrer Tätigkeit, zeigen ihr Arbeitswerkzeug und beantworten Fragen. Die BSR-Mitarbeitenden berichten, dass sie sich sehr über Unterstützung freuen und motivieren die Mitarbeitenden mitzumachen.
  • Teilnahme an Müllsammelprojekten des Quartiersmanagement: Teilnahme an einer Kiezreinigungsaktion von Nachbarn und Bürgern in Zusammenarbeit mit der BSR. Die Mitarbeitenden bringen ihre Arbeitsgeräte (Müllzange und Eimer) mit zum Treffpunkt auf dem Leopoldplatz. Auf der zugewiesenen Fläche wird der Müll gesammelt. Die Eimer werden direkt zu dem Müllwagen gebracht und von den BSR-Mitarbeitenden entsorgt. Die Mitarbeitenden empfinden ihre Arbeitsleistung als wertgeschätzt und gleichwertig.
Identifizierung und Strukturierung der Tätigkeiten entsprechend der Kompetenzen der Mitarbeitenden/ Hilfsmittel anschaffen oder erfinden

Jede Tätigkeit wird differenziert, so dass alle Mitarbeitenden mit unterschiedlichen Assistenzen oder Hilfsmitteln die Tätigkeit ausführen oder mitwirken können.

  • Fegen: Zweihändiges Fegen mit dem Besen oder einhändiges Fegen mit der Kehrmaschine ggf. verbale Assistenz oder Handführung; Aus dem Rollstuhl heraus den Besen oder die Kehrmaschine schieben, ggf. schiebt der Assistent den Rollstuhl.
  • Eimer zu Müllsammlung bereit halten: Mitarbeiter tragen den Eimer aktiv zum Mitarbeitenden der den Müll mit der Zange greift, ggf. verbale Assistenz oder Handführung; Aus dem Rollstuhl den Eimer aktiv anreichen, ggf. verbale Assistenz, Hilfsmittel zur Befestigung des Eimers an dem Rollstuhl, Assistenz bei der Fortbewegung des Rollstuhls.
  • Müllzange: Müllzangen mit verschiedenen Handgriffen in verschiedener Länge, ggf. verbale Assistenz, Handführung oder stellvertretende Ausführung.
  • Schaufel: mit unterschiedlichen Stiellängen, auch aus dem Rollstuhl zu bedienen, ggf. Assistenz s.o.
  • Schubkarre/Werkzeugwagen schieben: aktives Schieben ggf. verbaler Assistenz, mit Handführung, zu zweit schieben und ziehen, Hilfsmittel für Rollstuhlfahrer den Wagen anzuhängen, Assistenz beim Fortbewegen des Rollstuhls.
Identifizierung einer Betätigungsfläche auf Umweltgängen und gemeinschaftliche Kontaktaufnahme

z.B. mit der Kita und Offerte an die Kita – In der Arbeitsbesprechung werden die Erfolge anhand von Fotos thematisiert, auf den jeder Mitarbeitende in seiner Expertenrolle festgehalten ist. Nun ist es Zeit, mit den neu erworbenen Kompetenzen andere zu unterstützen. Die Kita ist durch die Umweltgänge bekannt und dass Kinder zu klein sind den Müll zu entfernen, ist gut nachvollziehbar. Gemeinschaftlich wird die Straßenfront der Kita in Augenschein genommen, die Beete, der Bürgersteig, die Treppe, die Rampe werden betrachtet und fotografiert. Gemeinschaftlich wird die Übernahme der Aufgabe beschlossen und die Offerte der Kita-Leitung überbracht. Die Bedingung ist ein regelmäßiges Feedback an die Mitarbeitenden vor Ort.

  •  Arbeitsbesprechung:
    • Symbolkarte für die Tages-Aufgabe (Foto der Kita) wird an das Whiteboard geheftet
    • Die Symbole für die an diesem Tag durchzuführenden Tätigkeiten und Werkzeuge werden ausgewählt und an die Tafel geheftet:
      • Müllzange
      • Eimer
      • Besen
      • Kehrmaschine
      • Müllschaufel
      • Schubkarre
      • Werkzeugwagen
    • Die Mitarbeitenden ordnen sich einer Aufgabe zu – die Fotos der Mitarbeitenden werden den Aufgaben zugeordnet
    • Die Mitarbeitenden werden Kleinteams zugeordnet (Müllzange und Eimer) (Müllschaufel und Besen) und dies an der Tafel visualisiert
    • Das Ende der Aufgabe wird besprochen (wenn der Bereich sauber ist!), das Auswertungsgespräch mit dem Kita Mitarbeitenden und die gemeinschaftliche Belohnung wird besprochen (Kaffeerunde mit Keksen)
  • Der Werkzeugwagen wird gepackt – jeder achtet darauf, dass das ihm an dem Whiteboard zugeordnete Werkzeug auf den Wagen kommt bzw. packt sein Werkzeug auf den Wagen
  • Jacken und persönliche Arbeitskleidung anziehen (Westen und Handschuhe)
  • Gemeinsamer Weg zur Kita
  • Abgrenzung, Kenntlichmachung des an dem Tag zu schaffenden Bereichs
  • Ausgabe der Werkszeuge
  • Wiederholung der Einteilung der Zuständigkeiten, der Kleinteams und Einteilung für einen überschaubaren Teilabschnitt
  • Ausführung der Tätigkeiten und notwendiger Kommunikation mit individueller Assistenz: Während der gesamten Arbeitsphase sollen die emotionalen, körperlichen und verbalen Äußerungen der Beschäftigten berücksichtigt werden. Gegebenenfalls kann mit verbaler oder motorischer Assistenz oder mit individuellen Pausen immer wieder unterstützt werden. Die Assistenten können den Arbeitsschritt zunächst eng begleiten, z. B. durch Demonstration, Zeigen oder Handführung bzw. verbaler Unterstützung, ziehen sich aber nach und nach sensibel dosiert zurück.
  • Gemeinschaftliche Qualitätskontrolle: Die Arbeitsphase endet, wenn der Abschnitt gereinigt ist. Die Mitarbeitenden können Unterschiede im Aussehen des Gehwegabschnitts wahrnehmen, z. B. im Vergleich zu einem anfänglich aufgenommenen Foto.
  • Kita-Mitarbeitender wird zur Abnahme der Arbeit dazu gerufen und wird ein direktes Feedback an alle Mitarbeitenden geben. Gesichtspunkte sind hierbei die Zufriedenheit des „Kunden“ mit der Qualität der Arbeit und die ihnen entgegengebrachte Wertschätzung.
  • Entsorgung des Mülls: Auf dem Rückweg wird der Müll am Müll-Haus entsorgt. Der in der Schubkarre befindliche Müll wird gemeinschaftlich getrennt (wenn möglich) und den Tonnen zugeordnet.
  • Wegräumen der Arbeitsgeräte und Werkzeugwagens: Beim Wegräumen der Werkzeuge werden alle Beschäftigten ihren Voraussetzungen entsprechend mit einbezogen. Die Werkzeuge werden transportiert und weggeräumt.
  • Arbeitskleidung wird zurückgelegt: Jeder Mitarbeiter zieht seine Handschuhe und Weste aus und legt diese zurück in das persönliche Spind Fach.

Kaffeerunde: Während des gesamten Arbeitsprozesses wurden Fotos angefertigt und als Vorher-Nachher-Vergleich ausgewertet. Mithilfe von Talkern, Symbolkarten mit Sternen, Smileys kann die Arbeit bewertet und reflektiert werden. Diese unmittelbare Bewertung der gemachten Erfahrungen erfolgt auch anhand von beobachteter Mimik und Körpersprache im gesamten Verlauf des Angebots und wird durch den Assistenten mit einfließen.


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Die Konkretsierung ist im Rahmen der Multiplikator*innenqualifikation entstanden.