Zahnpflege

KONKRETISIERUNG  · Zahnpflege *

Kristin Bressel – RC Partner für Reintegration und Chancengleichheit e.V.


SACHASPEKTE

Das Zähneputzen sollte 2-mal täglich, für ca. 2 Minuten, nach den Mahlzeiten erfolgen, morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafen gehen. Es ist ein wichtiger Aspekt in der Körperhygiene.

Das Zähneputzen findet im Bad am Waschbecken statt. Zu Beginn werden die benötigten Materialien auf dem oberen Rand des Waschbeckens bereitgestellt (der Zahnputzbecher, die Zahnbürste und die Zahnpasta). Der Zahnputzbecher wird unter dem Wasserhahn mit Wasser befüllt und wieder auf dem oberen Rand des Waschbeckens abgestellt. Der Deckel der Zahnpastatube wird aufgeschraubt und abgelegt. Die Zahnbürste wird in die freie Hand genommen und mit der Zahnpastatube wird ein etwa Kirschkern großer Klecks auf die Borsten der Zahnbürste gedrückt. Die Zahnpastatube wird auf dem Waschbecken abgelegt und nun beginnt der Vorgang des eigentlichen Zähneputzens.

Man öffnet den Mund und putzt zuerst die Kauflächen (Oberfläche der Zähne) der gesamten Zähne. Danach schließt man den Mund und putzt die Außenflächen (Außenseite der Zähne) aller Zähne. Zum Schluss werden die Innenflächen (Innenseite der Zähne) geputzt. Das Putzen der Zähne erfolgt unter leichtem Druck in Kreisbewegungen, vom Zahnfleisch zum Zahn herunter.

Das Ausspülen des Mundes ist der Abschluss des Zähneputzens. Dazu wird die Zahnbürste auf den Waschbeckenrand gelegt und der Mund mit dem Wasser gefüllten Becher ausgespült. Die Zahnbürste und der Wasserbecher werden unter fließendem Wasser ausgespült.

Nach Beendigung werden alle Materialien wieder weggeräumt.

POTENTIAL
(folgende inhaltliche Schwerpunkte bieten sich an)

  • richtiges Dosieren der Zahnpasta
  • richtigen Druck der Zahnbürste ausüben
  • Regelmäßigkeit im Alltag integrieren
  • Gesundheitsfürsorge, Prophylaxe gegen Zahn und Zahnfleischerkrankungen
  • gute Körperwahrnehmung durch entsprechende Mundhygiene
  • unterschiedliche Geschmäcker wahrnehmen, bei Auswahl verschiedener Zahnpasta
  • richtiges Bedienen des Waschbeckens
  • Umgang mit dem Wasser, Wassermenge dosieren können
IMPULSFRAGEN
  • Welche Vorlieben hat der Klient? (Geschmack der Zahnpasta, Härtegrad Zahnbürste)
  • Welche Anleitung oder Hilfestellung ist für den Klienten erforderlich? (verbale Unterstützung oder kleinere manuelle Hilfen sind erforderlich)
  • Ist das verbale Verständnis vorhanden die benötigten Materialien bereitzustellen oder den richtigen Druck auszuüben?
  • Muss vorbereitend erklärt werden, was die entsprechenden Kauflächen sind?
  • Wird eine Sanduhr benötigt, um die entsprechende Zahnputzzeit einzuhalten bzw. Orientierung zu geben?
  • Kann der Klient verschiedene Geschmäcker unterscheiden?
  • Muss der Aspekt des Ausspülens genauer beschrieben/ durchleuchtet werden?
  • Birgt das Ausspülen des Mundes Gefahren durch Verschlucken?
DIFFERENZIERUNG
  • den Grund des Zähneputzens deutlich machen (Aspekt der gesunden Körperhygiene)
  • gewünschte Wassertemperatur berücksichtigen
  • Bildkarten der benötigten Utensilien bei gegebenem Anlass zu Verfügung stellen
  • Bilderabfolge anbringen
  • Laut und deutlich sprechen, auf Grund des Tragens eines Hörgerätes
HANDLUNGSLEITENDE PRINZIPIEN
  • Der Klient wählt den Zeitpunkt des Zähneputzens aus, vor oder nach der Körperpflege
  • Der Klient wählt sich selbst den Geschmack seiner Zahncreme oder die Härte seiner Zahnbürste
  • Die Abfolge des gesamten Prozesses beim Zähneputzen kann der Klient selbst bestimmen (Befüllen des Bechers, Abfolge beim Putzen)
  • Der Betreuer berücksichtigt die Vorliebe der Wassertemperatur des Klienten
  • Die Ansprache des Klienten erfolgt durch Siezen
  • Der Geschmack der Zahncreme orientiert sich an den Vorlieben des Klienten
  • Der Betreuer agiert vorwiegend als Assistent
  • Der Betreuer gibt dem Klienten nonverbale Hilfsmittel, welche dem Klienten Sicherheit geben können, um trotz aufkommender Schwierigkeiten selbst handeln zu können (Bilderabfolge durch Symbole, eigene Demonstration des Zähneputzens)
  • Der Betreuer bietet bei auftretenden Schwierigkeiten Hilfe in Form von manueller oder demonstrativer Unterstützung an
  • Der Betreuer schafft während des gesamten Prozesses eine entspannte Atmosphäre (alleinige ungeteilte Aufmerksamkeit)
  • Der Betreuer strahlt im gesamten Verlauf Ruhe aus
  • Durch die abschließende gemeinsame Kontrolle sorgt der Mitarbeiter dafür, dass die Zähne des Klienten sauber geputzt sind (Gesundheitsfürsorge)
  • Kleinere erfolgreiche Teilschritte werden durch den Betreuer positiv bewertet (routiniertes Handeln entwickelt sich)
  • Der Betreuer erkennt den Hilfebedarf und leistet entsprechende Hilfestellungen
THEMENBEZOGENES WORTFELD
  • Waschbeckenrand
  • Zahnbürste
  • Zahnputzbecher
  • Zahnpastatube
  • Geschmacksrichtung
  • Kauflächen
  • Außenflächen
  • Innenflächen
  • Zahnfleisch
  • Kreisbewegungen
  • befüllen
  • bereitstellen
  • aufschrauben
  • ablegen
  • putzen
  • ausspülen
  • oben
  • unten
  • fließend
  • sauber
  • ich brauche Hilfe
  • ich kann es allein
  • zeige es mir vor
  • soll ich es noch einmal zeigen
  • guck bitte genau zu
  • ich bin fertig
BEISPIELPLANUNG

Herr H. wird von dem Betreuer angeleitet, dass im Folgenden das Zähneputzen ansteht. Er wird motiviert seinen Waschkorb von seiner Kommode auf seinen Schoß zu stellen und sich dann zum Zähneputzen ins Bad zu begeben. Falls er zur Bewältigung des Weges Hilfe benötigt, bietet der Betreuer ihm diese an in Form des Tragens des Waschkorbes oder bei der Bewältigung des Weges mit dem Rollstuhl.

Das Zähneputzen findet im Bad am Waschbecken statt. Zu Beginn wird Herr H. angeleitet an das Waschbecken heranzufahren und seinen Waschkorb auf dem Waschbeckenrand abzustellen. Der Betreuer korrigiert auf Ansage ggf. die Position des Rollstuhles unter dem Waschbecken. Im weiteren Verlauf erklärt der Betreuer die Notwendigkeit der Zahnhygiene. Weiterführend fragt der Betreuer Herrn H. welche Utensilien zum Zähneputzen benötigt werden und bittet ihn diese aus seinem Waschkorb auf den oberen Rand des Waschbeckens abzustellen.

Abschließend erfolgt eine Kontrolle, ob tatsächlich alle benötigten Materialien (Zahnputzbecher, Zahnbürste und Zahnpasta) bereitstehen. Sollte dies nicht der Fall sein hat der Betreuer Bildkarten von den benötigten Materialien angefertigt und bittet Herrn H. eine selbstständige Kontrolle vorzunehmen, ob alle benötigten Materialien bereitstehen.

Weiterführend leitet der Betreuer ihn an, den Zahnputzbecher unter dem Wasserhahn mit Wasser zu befüllen und wieder auf dem oberen Rand des Waschbeckens abzustellen. Hierbei wird der Betreuer unterstützend tätig, um eine angenehme Wassertemperatur für Herrn H. einzustellen. Als nächstes wird er motiviert den Deckel der Zahnpastatube aufzuschrauben und auf dem Waschbeckenrand abzulegen. Herr H. wird aufgefordert seine Zahnbürste in die andere freie Hand zu nehmen und mit der Zahnpastatube einen etwa Kirschkern großen Klecks auf die Borsten der Zahnbürste zu drücken. Sollte Herr H. beim Dosieren der Zahnpasta und Drücken der Zahnpasta auf die Zahnbürste manuelle Schwierigkeiten auf Grund seines Zitterns aufweisen, bietet der Betreuer seine Hilfe an und leistet dann auf Wunsch manuelle Hilfestellung. Nach dem Dosieren der Zahnpasta leitet der Betreuer ihn an, die Zahnpastatube auf dem Waschbecken abzulegen und nun beginnt der Vorgang des eigentlichen Zähneputzens.

Bevor das tatsächliche Putzen beginnt, zeigt der Betreuer Herrn H. eine Bilderabfolge, auf der das Zähneputzen in drei Bildern verdeutlicht wird (das Putzen der Kauflächen, der Außenseite und der Innenseite). Dazu gibt er ihm eine Verbalisierung des Prozesses und demonstriert ihm ggf. das Zähneputzen (trocken) vorab. Der Betreuer merkt an, die Zähne unter leichtem Druck und in Kreisbewegungen, vom Zahnfleisch zum Zahn herunter, zu putzen. Der Betreuer dreht die Sanduhr um und beginnt somit das Zähneputzen.

Der Betreuer motiviert Herrn H. dann den Mund zu öffnen und zuerst die Kauflächen (Oberfläche) der gesamten Zähne zu putzen. Zur Erinnerung leitet er ihn verbal an, die Zahnbürste in den Mund zu stecken und mit den Borsten die Oberfläche seiner gesamten Zähne zu putzen. Danach soll er den Mund schließen und die Außenflächen (Außenseite) aller Zähne putzen. Hierbei ist es wichtig, dass er die Zähne geschlossen hält und die Lippen hochzieht, sodass er die Außenseite aller Zähne gut putzen kann. Zum Schluss sollen die Innenflächen (Innenseite) der Zähne geputzt werden. Hierzu motiviert der BT Herrn H. wieder seinen Mund zu öffnen und die Innenseite seiner Zähne zu putzen. Diese Vorgänge müssen so lange vollzogen werden, bis der Sand durch die Sanduhr gelaufen ist.

Das Ausspülen des Mundes ist der Abschluss des Zähneputzens und der Betreuer motiviert Herrn H. dazu, die Zahnbürste auf den Waschbeckenrand zu legen und seinen Mund mit dem mit Wasser gefüllten Becher auszuspülen bis im Mund keine Rückstände der Zahnpasta mehr vorhanden sind. Dann erfolgt eine gemeinsame Kontrolle ob alle Verschmutzungen bereinigt wurden, ggf. putzt der Betreuer dann noch einmal nach.

Anschließend motiviert der Betreuer Herrn H. die Zahnbürste und den Wasserbecher unter fließendem Wasser auszuspülen. Auch hier erfolgt wieder ggf. das Einstellen der richtigen Wassertemperatur durch den Betreuer und die gemeinsame Kontrolle, ob alle Rückstände der Zahnpasta entfernt wurden. Nach Beendigung werden alle Materialien wieder in den Waschkorb gestellt.

Der Betreuer wiederholt dann zusammen mit Herrn H., wie die Abfolge des Zähneputzens ist und übt Lob aus, um einen positiven Ausklang zu schaffen.

Abschließend bringt der Betreuer zusammen mit Herrn H. seinen Waschkorb zurück in sein Zimmer und gibt dann einen Ausblick auf das Zähneputzen am Abend.

  • Bildkarten der benötigten Materialien (Becher, Zahnbürste, Zahnpastatube)
  • Bilderabfolge des Hergangs des Zähneputzens
  • Zahnputzsanduhr


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Die Konkretsierung ist im Rahmen der Multiplikator*innenqualifikation entstanden.