Basale Stimulation

Basale Stimulation zur Linderung von Symptomen

Massagen, Ausstreichungen und Waschungen

Zuwendung
und Entspannung

 

Massagen, Ausstreichungen und Waschungen wirken durch die persönliche Zuwendung, die dabei stattfindet, den mechanischen Reiz und die Wärme, die über die Hände transportiert wird, wohltuend und können so helfen Ängste zu reduzieren, Muskeln zu entspannen und Schmerzen zu verringern. Gleichzeitig wird durch die somatische Anregung die Körperwahrnehmung verbessert. Gerade, wenn Menschen sehr viel liegen, sich kaum bewegen können und Schmerzen haben, kann der Körper fremd werden bzw. Wahrnehmung verloren gehen.

Basale
Stimulation

 

Das Konzept der Basalen Stimulation gibt eine Vielzahl von Anregungen zur somatischen Stimulation und formuliert Berührungsregeln, die bei den verschiedenen Massagen, Ausstreichungen und Waschungen berücksichtigt werden sollten [1]. Wesentliche Forderungen sind das großflächige, langsame und deutliche Berühren und die Betonung von deren Anfang und Ende sowie das beständige Kontakthalten [2]. Als wichtigste Grundbedingung formulieren die Autoren eine beobachtende, zugewandte und dialogische Umsetzung. Maier und Mayer [3] nennen dies eine „meinende Berührung“, was bedeutet, dass die Pflegeperson mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit beim betreffenden Menschen ist und all seine (körperlichen) Äußerungen sensibel wahrnimmt und beantwortet.

Beruhigende
Waschung

 

Bienstein und Fröhlich [4] zeigen Möglichkeiten von verschiedenen Waschungen. Beruhigend wirken Waschungen mit warmem Wasser in Haarwuchsrichtung, also in der Regel von der Körpermitte in Richtung Extremitätenenden. Hierbei können sich viele Menschen entspannen. Neben dem Nachlassen von hohem Muskeltonus kann eine solche Waschung auch Körperorientierung bieten, damit Sicherheit vermitteln und das zur Ruhe kommen bzw. Einschlafen fördern.

Die beruhigende Waschung wir bei folgenden Indikationen mit unterschiedlichen Zielen durchgeführt.

Indikationen:

  • Angst und Unruhe auf Grund von Schmerzen, Atemnot, Verwirrtheit, Übelkeit, Schlafstörungen, demenzieller Erkrankung und Bewusstseinsstörungen
  • physische und psychische Anspannung
  • Unruhezustände im Sterbeprozess

Ziele:

  • Verbesserung der Körperorientierung
  • Förderung der Körperintegrität
  • Vermittlung von Wohlbefinden und Sicherheit
  • Reduktion von somatisch bedingten Unruhezuständen
  • Muskuläre und psychische Entspannung
Unbenanntes Projekt

beruhigende Waschung [6]

Die Abbildung zeigt die Waschrichtung bei einer beruhigenden Waschung nach Bienstein und Fröhlich [5].

Ausstreichungen können, auch außerhalb von Waschsituationen, im Alltag angeboten werden. Wichtig beim Ausstreichen von Extremitäten ist, dass bestehende Kontrakturen nicht korrigiert bzw. aufgedehnt werden, sondern behutsam mit den Händen umfahren werden [7].

Rhythmische
Einreibung

 

Ähnliche Prinzipien wie sie die Berührungsregeln der Basalen Stimulation vorgeben, werden beim Ansatz der Rhythmischen Einreibungen nach Wegman & Hauschka [8] berücksichtigt. Auch hier geht es um menschliche Zuwendung durch das Vermitteln von körperlicher Nähe über die Wärme der Hände und die Berührung. Die Einreibungen sollen langsam und rhythmisch stattfinden und damit die Person beruhigen. Gleichzeitig soll sie den Dialog zur Person suchen und ihre Äußerungen berücksichtigen. Rhythmische Einreibungen können mit einfachen Massageölen oder aber unter Zusatz ätherischer Öle mit unterschiedlichen Wirkungen durchgeführt werden [9].

Handmassage

 

Unbenanntes Projekt

Handmassage

Eine einfache Möglichkeit bietet eine Handmassage. Diese kann z.B. nach dem Waschen mit einer duftenden Lotion oder einem Pflegeöl durchgeführt werden. Das Ausstreichen und vorsichtige Aufdehnen der Handinnenflächen sowie das umfassende Berühren der Finger wird von vielen Menschen als sehr angenehm erlebt. Danach kann die Hand in ein Handtuch eingeschlagen werden, um die Berührung nachwirken zu lassen oder ein Handschmeichler kann in die Hände gelegt werden (s. unten).

Darmmassage

 

Eine Darmmassage kann bei Blähungen und Verstopfungen eine Wohltat sein. Die am meisten eingesetzte und anerkannte Massage ist die Colonmassage nach Vogler [10]. Es handelt sich dabei um eine Streich- und Druckmassage. Entlang der Dickdarmkontur, von Dickdarmanfang bis Dickdarmende wird teils durch sanften, teils durch festeren Druck versucht, Darmbewegungen anzuregen. An den vier Wendepunkten Darmanfang, rechte Flexur (Biegung), linke Flexur und unterer Darmabschnitt wird im Uhrzeigersystem mit kreisenden Bewegungen und sanftem Druck massiert. Mitarbeiter:innen können sich zu dieser Massagetechnik durch Physiotherapeut:innen und Pflegefachkräften anleiten lassen.

Unbenanntes Projekt

Colonmassage [11]

Wiegen einer
Extremität

 

Unbenanntes Projekt

Wiegen einer Extremität

Auch das Wiegen einer Extremität erleben viele Menschen als sehr entspannend. Ein Körperteil wird dazu ganz in ein Badehandtuch oder in eine Decke gehüllt und vorsichtig bewegt. Die Hin- und Her- bzw. Auf- und Abbewegungen, die vorsichtig durchgeführt werden, sollen sich nach den freien Bewegungsmöglichkeiten der Person richten. Gerade bei größeren Wassereinlagerungen in den Beinen, wird das Wiegen als wohltuend und die Extremität wird dabei weniger schwer erlebt [12].

Entspannung und Wohlbefinden durch weitere Angebote

Musik und
Klang

 

Entspannung und Wohlbefinden können durch weitere verschiedene Möglichkeiten herbeigeführt werden. Bezugspersonen und langjährige Mitarbeitende wissen bei welchen Angeboten sich ein Mensch mit komplexer Behinderung entspannen kann. Das kann Musik ganz unterschiedlicher Art sein, das können aber auch Naturgeräusche sein. Klänge einer Klangschale oder eines Gongs können über die erzeugten Schwingungen einen Menschen in einen Entspannungszustand bringen [13]. Manche Personen reagieren auf bestimmte Farben mit Beruhigung. Auch ein Vorlesen von Geschichten und Märchen, die eine Person häufig gehört hat, kann beruhigend wirken und Vertrauen schaffen.

Snoezelen

Aufenthalt in einem Snoezelenraum kann durch die Wärme und Bewegung des Wasserbettes, verschiedene Lichteffekte oder auch bestimmte Gerüche, die in den Raum gebracht werden, entspannend wirken.

Sensorische
Angebote

 

Herzen

Handschmeichler „Herz“ ©

Gegenstände, die in die Hand gegeben werden, können Orientierung schaffen, somatisch-taktil stimulieren und helfen, eine Person zu beruhigen. Dies können „Handschmeichler“ sein, wie eine fein geschliffene Holzform, z.B. ein Kreuz oder ein Herz, ein runder glatter Stein, ein Stück weiches Fell, ein zusammengerollter Waschhandschuh oder etwas von dem man weiß, dass der Mensch es gerne ertastet.

Quellen

[1] vgl. Bienstein & Fröhlich 2004, S. 46ff. [2] vgl. ebd. [3] vgl. Maier & Mayer 2012, S. 99 [4] vgl. Bienstein & Fröhlich 2004, S. 46ff. [5] vgl. ebd. [6] nach Bienstein & Fröhlich 2004 [7] vgl. Maier & Mayer 2012, S. 102 [8] vgl. Wegman & Hauschka 1928 [9] vgl. Wegman & Hauschka 1928 in Schmid, Kränzle et.al. 2010 [10] vgl. Vogler in Schulze Höing 2012, S. 171 [11] in Anlehnung an Vogler [12] vgl. Walper 2016, S. 82 [13] vgl. Schlichting 2017, S. 48



Literatur

Bienstein, Ch. & Fröhlich, A. (2004). Basale Stimulation in der Pflege (2. Aufl.). Seelze-Velber: Kallmeyer.

Maier, R.; Mayer, P. (2012): Der vergessene Schmerz. Schmerzmanagement und –pflege bei Demenz. München: Ernst Reinhardt.

Rietzler, C. (2013): Verdauung und Ausscheidung – Ein Bericht aus der Praxis mit pädagogischen Aspekten. In: Maier-Michalitsch, N., Leben pur Ernährung, Düsseldorf: selsbtbestimmtes leben, S. 148-160.

Schlichting, H. (2017): Alternative Möglichkeiten der Schmerzreduktion- Atem- und Körperangebote. In: Behinderte Menschen Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten 40 (2), S. 45-49.

Schmid, U., Kränzle, S., Riehm, C., Kutzner, M., Hill, S. (2010). Grundlagen und Besonderheiten der palliativen Pflege. In: Palliative Care. Springer, Berlin, Heidelberg.

Schulze Höing, A. (2012): Pflege von Menschen mit geistigen Behinderungen. Pflegebedarfsanalyse, Planung, Dokumentation gemäß H.M.B.-W-Hilfeplanung. 1. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer (Pflegepraxis).

Walper, H. (2016): Basale Stimulation in der Palliativpflege. München: Ernst Reinhardt.